Luftwirbel traveling... Island

Nur ein Picks

Oder wollen wir uns doch impfen lassen. Ich bin kein Impfgegner, doch das Vertrauen in die Regierung und deren Strategie durch die Pandemie überzeugt mich nicht. Und zugegeben auch immer wie weniger.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es schon lange nicht mehr um "Gesundheit" geht, sondern um Freiheiten, die man, wenn man sich impfen lässt, zurückbekommt. Mit dem Zauberwort 2G wird das Virus nicht eingedämmt. Denn wenn 2G funktionieren würde, bräuchte es kein 2G-Plus. Und spätestens bei 2G-Plus frage ich mich, wo ist denn der Unterschied (geimpft oder nicht), wenn beide Negativ sind? Aber "selber denken" scheint in der Pandemie verboten.

 

Martin sieht das Grundsätzlich genauso, sieht aber die Vorteile für Island und wäre unter den Gegebenheiten für eine Impfung bereit. Immerhin steht unser teuerster Jahresurlaub auf dem Spiel. Die Entscheidung liegt bei mir. Er wird mich nicht überreden, ich muss das auch wollen.

 

Ich bin hin und her gerissen. Eigentlich will ich nicht. Ich möchte aber auch nicht „Schuld“ sein, wenn wir in Island zwei Wochen in Isolation sitzen. Sein Versprechen: "Ich würde Dir nie einen Vorwurf machen", hilft mir auch nicht weiter. Denn das kann ich von mir selbst nicht behaupten. Ich würde mir unendlich Vorwürfe machen.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn wir uns jetzt impfen lassen, könnten wir unbeschwert nach Island reisen. Es gäbe keine Quarantäne und keine Folgetests. Das Schiff legt an und wir könnten einfach von Board gehen. Und danach auch wieder am normalen „Leben“ in Deutschland teilnehmen. So zumindest das Versprechen der Regierung, die den Druck auf ungeimpfte stetig und massiv erhöht.

 

Damit die Impfung von der Isländischen Regierung anerkannt wird, muss sie mind. 14 Tage zurück liegen. In 17 Tagen betreten wir Isländischen Boden. Wir müssen uns schnell entscheiden. Maximal drei Tage, bis spätestens Mittwoch, haben wir Zeit. Danach würde die Impfung als nicht gültig betrachtet. 

 

Der einzige Impfstoff, der somit in Frage kommt, ist der Janssen® von Johnson & Johnson. Ein Picks reicht. Martin wäre dafür. Ich bin mir unsicher, stimme aber zu. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass wir innerhalb von 3 Tagen einen Impftermin bekommen, der zufällig Johnson & Johnson verspritzt, für sehr gering.

 

Doch wie es der Zufall will, HEUTE (Montagnachmittag) ist das Impfmobil im Fischbachtal bei „unserem“ Edeka und hat, kaum zu glauben, Johnson & Johnson an Board.

OK, was solls. Gehen wir heute nach der Arbeit zum Edeka und machen´s.

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Doch je mehr ich über diesen Impfstoff lese, umso unsicherer werde ich. Es fängt ja schon dabei an, dass ich einfach nicht weiss, was ich glauben kann und was nicht. Ich kanns nicht beurteilen. Umgeben von widersprüchliche Aussagen.   

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den COVID-19-Impfstoff Janssen® von Johnson & Johnson in der Regel für Personen im Alter ab 60 Jahren zu verwenden, da in den USA nach der Impfung mit Fällen von Hirnvenenthrombosen bei jüngeren geimpften Personen auftraten.

Das Vakzin erhält damit eine grundsätzliche Altersvorgabe wie auch der Impfstoff von Astrazeneca.

Weiter schreibt die STIKO: Personen unter 60 Jahren können nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz dennoch mit diesem Impfstoff geimpft werden.

Wie kann was „nicht empfohlen" sein, dennoch freudig praktiziert werden. Und wie vertrauenswürdig soll ich mir die „ärztliche Aufklärung“ bei einem Impfmobil, dass vor dem Edeka steht, vorstellen. 

Nach der Arbeit sitzen Martin und ich am Tisch. Es ist wichtig über den Tag und die vielen Gedanken zu reden. Heulend teile ich ihm mit, dass ich noch nicht bereit bin. Ich brauche Zeit.

Ich weiss nicht einfach nicht, was ich glauben kann.

 

Könnte ich mir verzeihen, wenn wir in Island 2 Wochen in Isolation verbringen? Kann ich mir verzeihen, wenn ich zu den „sehr seltenen“ Fällen, bei denen es sich wohl ausschliesslich um weisse Frauen zwischen 18 und 60ig Jahren handelt, gehöre? 

Wenn angenommen eine Person von 10.000 betroffen ist. Wieviel davon sind denn junge Frauen? Vielleicht sie Hälfte - 5.000? Wobei das kann nicht sein, denn der J&J wird ja primär bei älteren Menschen verspritzt. Ein Viertel - jede 2500ste? Ich weiss es nicht, wird auch nirgends publiziert - aber relativiert das Wort "sehr selten". Es macht in meinen Augen einen grossen Unterschied, ob einer von 10.000 oder dann doch nur eine von 2.500. Wahrscheinlich sind von den 10.000 sogar weniger als ein Viertel junge Frauen. Ich weiss es nicht.

Morgen ist auch noch ein Tag. Das Impfmobil ist am Dienstag im Nachbarsdorf, das reicht auch noch mit der 14-Tage-Frist.

Ich schlafe schlecht.

 

Ich fühle mich wie in einem schlechten Trickfilm, wo beim Homer Simpson auf der einen Seite das Teufelchen und auf der anderen Seite das Engelchen auf einen Einreden. Nur dass es sich bei mir nicht um Engel und Teufel handelt, sondern „(Reise-)Freiheit“ gegen „Unsicherheit“ und bedenken.

Da der Johnson & Johnson nachweislich auch nur 70% gegen die Delta-Variante schützt, kann ich mich danach noch nicht mal als „Sicher“ vor Corona betrachten. Wobei es "Sicher" sowieso nicht gibt. Gemäss einer aktuellen englischen Studie (Nov.2021) liegt die Ansteckungswahrscheinlichkeit bei geimpften immerhin bei 25% (bei ungeimpfen 35%). Und diese sind für 3 Tage genauso Ansteckend wie jeder andere, sprich ungeimpfte, auch.

Also kann ich, auf gut Deutsch, weiterhin Corona bekommen und auch andere damit anstecken. Trage somit nicht zur Eindämmung des Viruses bei. Dann bliebe da ja nur noch das Argument bezüglich dem schwerwiegendem Verlauf. Aber davor fürchte ich mich nicht. Ich bin kein Risikopatient.

Und doch könnten wir nach der Impfung ungehindert nach Island reisen. Ohne PCR-Tests, ohne Quarantäne, ohne Angst in Isolation sitzen zu müssen.

Vielleicht mache ich mir ja einfach zu viele Gedanken. Die meisten Menschen in meinem Umfeld sind geimpft und haben diese auch "überlebt".

Ein Anruf genügt, danach ist die Entscheidung gefallen.

Wenn ich meinem Hausarzt nicht vertrauen kann, wem dann?

„Hallo, können wir bei Ihnen in der Praxis einen Test machen, um herauszufinden, ob wir Corona hatten und somit als „genesen“ durchgehen?“

Die Arzthelferin am anderen Ende fragt nach Symptomen. „Nein, keine. Aber es soll ja auch Verläufe geben, wo der erkrankte nicht merkt, dass er Corona hatte. Als genesener wird man mit einer geimpften Person gleichgestellt, und darum würden wir das gerne überprüfen“.

 

„Das mach nicht viel Sinn“, interveniert die Arzthelferin. „Die Kosten von über 150 Euro müssten Sie selbst bezahlen. Lassen sie sich doch einfach impfen“.

„Ja, dazu habe ich auch eine Frage. Der Johnson & Johnson Impfstoff, wo nur ein Picks ausreicht, würden Sie den empfehlen?“

 

„Für Wen? Wie alt?“, erkundigt sich sie sich.

„Ich, 37“

„Auf keinen Fall!“

Ich bin überrascht, ich hätte mit einer anderen Antwort gerechnet.

 

Eigentlich habe ich angerufen, um von Ihr zu hören, dass das alles „hochgekocht“ wird und ich mir nicht so arg viele Sorgen machen muss. Dass wir heute Abend bedenkenlos zum Impfmobil gehen können und danach sorgenfrei nach Island reisen und auch wieder an der Gesellschaft teilhaben dürfen. 

 

"Und Martin?", frage ich rein Interessehalber. Da sieht Sie tatsächlich keine Bedenken. Er kann heute Abend zum Impfmobil.

Unsere Entscheidung ist gefallen. Beide oder Keiner! Mit all den Konsequenzen, die die Situation mit sich bringt. Alles andere wird sich ergeben. Wie immer. 

Jetzt sollten wir uns um eine Quarantäneunterkunft kümmern.