Luftwirbel traveling... Island

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20:45 Uhr: Wir sind dran.

Pass, Testergebnis, Strichcode der Registrierung und das Impfzertifikat müssen wir vorzeigen. Impfzertifikat haben wir keins. Damit ist die Sache für den Hilfssheriff erledigt. Wir zeigen Ihm unseren negativen PCR-Test, welchen ja schon beim Boarding niemanden interessierte. Er will ihn nicht sehen. Drückt uns stattdessen einen orangenen Zettel in die Hand und teilt uns mit, dass er sich mit uns nicht länger unterhalten werde. Was ist mit der Registrierung, frage ich. Er zuckt mit den Achseln - die Polizei in Island wird sich darum kümmern. Mehr Worte wechselt er nicht mit uns, sondern bittet schon den nächsten zu sich.

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Das wars? Echt jetzt? Wegen einem bekloppten orangenen Zettel dieser ganze Aufriss? Er hat weder unseren Pass noch den PCR-Test überprüft. Noch nicht einmal, ob die Registrierung auf covid.is korrekt ist. Nichts. Das ganze Theater war umsonst.

 

Was mich hierbei am meisten nervt: Da „verzichten“ wir aufs Bingo (gestern konnte man sich zum Bingo spielen anmelden), verbringen die meiste Zeit in der Kabine (auf Deck 10 zu lernen wäre bestimmt auch toll) und meiden Kontakte (obwohl super spannende Gespräche hier an Board entstehen könnten). Und dann müssen hier alle Passagiere, nachdem sie Stunden im Flur verbrachten, durch dieses Nadelöhr pressen.

Zuhause müssen Restaurants einen separater Ein und Ausgang gewährleisten und tausend andere Regeln zur vermeintlichen Corona-Eindämmung auf sich nehmen, und hier?

Hier stehen alle in einer Schlange. Ein extra Ein und Ausgang gibt es im Bücherkaffe nicht. Durch die Tür, durch welche die Schlange ins Innere des Bücherkaffes kommt, durch diese Tür quetschen sich die Leute, welche die Kontrolle hinter sich haben, wieder raus. Plexiglasscheiben, wo in Restaurants zwischen die Tische gestellt werden musste (optisch der Knaller), gibt es hier nicht. Security, Polizei und Passagiere sitzen maskenlos Kopf an Kopf an einem kleinen runden Tisch.

Also, während Zuhause Kleinstbetriebe ums Überleben kämpfen, Kinder nicht zur Schule dürfen und das wichtigste im Leben – soziale Kontakte – stark eingeschränkt werden, ist hier alles irgendwie voll Normal. Vielleicht sollten wir einfach „für immer“ auf diesem Schiff bleiben. Oder zumindest so lange, bis sich der Rest der Welt auch wieder „normalisiert“ hat.

20.50 Uhr. Ab ins Bett.

Morgen erreichen wir Island.

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Anmerkung:

Wir haben Schweizer und Deutsche mit Ihrem eigenen Fahrzeug in Island getroffen und haben nachgefragt, WIE sie das Corona-Einreise-Procedere empfundene haben. Hätte ja sein können, dass unsere Wahrnehmung fern ab der Realität liegt. Dem ist aber nicht so.

 

Elisabeth und Stefan

Ja, Ihr Lieben, war genauso bei uns.

Fing schon in Hirtshals an. Da sollten wir einen Coronatest machen. Ein Stäbchen kurz links in den Mund geschoben – 175 Euro – winke, winke. Alles Ok.

Wir hatten die Färöer gebucht- raus. Im Hafen PCR Test – ein Tütchen, spuken sie rein – warten. OK. Dann mussten wir uns für Island registrieren: Mein Laptop ging einfach nicht. Zum Glück haben wir einen Deutschen Studenten getroffen, der uns geholfen hat: Dafür Nachtessen und einen guten Wein.

Um auf die Fähre zu kommen, musste wieder ein Test her. Ich wollte ihn am Vortag machen – ging nicht. Kommen Sie Morgen. Ich kam. Aber wohin? Die Teststation hatten den Ort gewechselt, keiner wusste, wohin. Nach langem Herumfragen und nachdem ich über die Straße zum Hauptbüro der Schiffsgesellschaft getrabt bin, wurde ich vertröstet: Es käme jemand vorbei, wir sollten im Reisemobil warten. Es verging die Zeit, wir wurden zappelig. Da kam einer, ich weiß nicht sicher, ob der drogensüchtig war oder selber krank. Er torkelte vor uns her in die Halle und einem kleinen Schalter. Spuken – warten. Nochmals spuken, warten. Es wurde Zeit, dass wir aufs Schiff fahren. Dann winkte er: Gehen Sie, ich rufe an, dass alles in Ordnung sei. Ok.

Ansonsten wir Ihr. Die lange Schlangenwarterei – 4 Stunden. Manchen wurde es schlecht, manch Alter konnte allein nicht mehr aufstehen, wenn er am Boden saß, krabbelte cm um cm. vorwärts. Es war zum Kotzen. Dann 1 Minute beim Polizist, Zettel – tschau. Auf Island hat diesen Zettel niemand interessiert. Bringen sie noch jemanden mit? – Nein. Gut. Schöne Ferien.

Philip

Was die Corona-Richtlinien angeht:

Ich dachte auch, dass ich auf den Faröern nicht von Bord kann, aber war dann überrascht, als es hiess, es geht. War sogar sehr problemlos. Ich habe mir mein Rad aus dem Bulli geschnappt und bin einfach aus dem Schiff gefahren, ohne dass irgendjemand irgendwas sehen wollte. Und dann konnte ich eine schöne kleine Runde drehen :)

 

Diese Einreise-Polizei an Bord fand ich auch etwas merkwürdig. Als ich hin bin, waren aber nur 4 Leute in der Schlange, insofern habe ich es nicht als stressig empfunden.

 

Und insgesamt finde ich, dass das ganze Recherchieren und die ganze Ungewissheit und ungenaue / fehlende Angaben vorher, einem zum gehörigen Teil die Reiselaune vermiesen (bis alles geklappt hat zumindest, bzw. man vor Ort einen Eindruck bekommt, was Sache ist). Gar nicht konkret auf Smyril oder Island bezogen, sondern allgemein. Egal was man machen will, erstmal stundenlang recherchieren, wie die Corona-Richtlinien sind.

Ausser in Schweden, immer total unkompliziert, ich liebe es :)

Für Heute Abend haben wir damals, im Dezember 2020, kein Essen vorgebucht, weil wir während den sieben Stunden Landgang auf den Färöern Inseln Mittag essen wollten.

19:20 – Martin ist dafür, dass wir was essen gehen.

Ich jedoch will eigentlich erst diese bekackte Kontrolle hinter uns bringen und dann in „Ruhe“ essen gehen. Leider schliesst das Restaurant um 20:30 Uhr.

Naja, so gehen wir in die Nóatún Cafeteria, direkt gegenüber dem Bücherkaffee, setzten uns an einen Tisch, wo wir die Schlange im Flur im Auge haben. Bestellen Hamburger mit Pommes. Innerlich stehe ich unter Strom.

20.20 Uhr: Das Ende der Schlange rückt langsam dem Bücherkaffee entgegen. Wir räumen den Tisch ab und stellen uns an.