




Donnerstag 12.09.2019
Zeit unterwegs von 11:45 bis 16:30 Uhr
Zeit in Fahrt = 3:06 h
Hohe Tatra [SK] → A3 → Snina [SK]
195 Kilometer

2025
zuhause


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Countdown
Nur noch viermal schlafen. Das Wochenende nutzen wir, um die Koffer zu packen und den Garten auf drei Wochen Abwesenheit vorzubereiten. Wenn wir Anfang Oktober zurückkommen, ist der Sommer vorbei.
Viel zu schade, um die leckeren Trauben, Äpfel, Birnen und Chilis einfach sich selbst zu überlassen. "Eigentlich hätten auch Tomaten und Gurken auf der Liste stehen sollen. Doch dieses Jahr wollten sie einfach nicht so recht gedeihen – schade!"
Die Chilis werden geerntet, aufgeschnitten und aus Zeitgründen im Backofen getrocknet. Am nächsten Tag mörsert Martin den Grossteil und verarbeite ihn zu Pulver. Ein Kilogramm Trauben kochen wir zu Trauben-Birnen-Konfi ein, zwei weitere Kilo schneiden wir auf und frieren sie ein. Aus den Äpfeln gibt es Apfelmus.

Eine neue Art zu reisen
Es ist unsere erste gemeinsame Flugreise. Vor zehn Jahren haben Martin und ich uns am Nordkapp gefunden. Seitdem waren wir immer auf zwei Rädern unterwegs: mit dem Motorrad durch den Balkan, nach Marokko, in die Pyrenäen und die Karpaten. Wir waren in Italien, auf Island, fuhren die Route des Grandes Alpes und erkundeten letztes Jahr den Norden Griechenlands.
Eine Flugreise ist für die Packliste ein komplett fremdes Szenario. Der geplante Abstecher durch Tibet fordert sie zusätzlich heraus.
Obwohl wir bei der Fluggesellschaft jeweils zwei Handgepäckstücke und zwei aufgegebene Gepäckstücke hätten mitnehmen dürfen, entscheiden wir uns für Motorrad-Minimalismus: ein Koffer plus Handepäck pro Person. Das reicht völlig. Was wollen wir sonst noch alles mitnehmen?
Schliesslich müssen wir unser Gepäck während der gesamten Reise mit uns herumschleppen. Bei Kai in Shanghai kein Problem, aber für die Überlandreise von Kathmandu nach Lhasa haben wir keine Ahnung, in welchem Auto oder Minibus wir unterwegs sein werden.
Extra für diese Reise haben wir uns einen Osprey Farpoint Trek 55 Travel Backpack gekauft. Der scheint uns ausgesprochen praktisch. Er besteht aus einem grossen Rucksack in maximaler Handgepäckgrösse und einem kleineren Tagesrucksack, der hinten drauf angeschnallt werden kann. Besonders clever finden wir, dass sich die Träger des grossen Rucksacks verstauen lassen, sodass er wie ein normaler Koffer aufgegeben werden kann, während der kleine Rucksack als Handgepäck mit in die Kabine kommt.
Ganz günstig war der Osprey nicht, bereut haben wir den Kauf aber keine Sekunde.
Kleiner Spoiler: Auf unserem Rückflug 2026 mit Air India hiess es beim Check-in plötzlich: Nur ein Handgepäckstück pro Person. Darauf wurde strikt bestanden. Die Passagiere vor uns waren entweder am Diskutieren oder damit beschäftigt, ihr Gepäck hektisch umzupacken. Wir hingegen schnallten einfach den kleinen Rucksack auf den grossen. Aus zwei Gepäckstücken wurde eines – und wir konnten ohne Probleme weitergehen.
Den Osprey haben wir hauptsächlich für Martins Körperbau gekauft. Ich selbst nutze als Handgepäck lediglich einen kleinen, günstigen Ryanair-Rucksack, den ich sonst für meine DRK-Lehrgänge verwende.
Dazu kommt pro Person ein kleiner Rollkoffer. Mehr brauchen wir nicht. Darin befindet sich alles – vom Bikini bis zur Daunenjacke.
Kleidung nehmen wir, wie immer, nur das Nötigste mit: je zwei Wechselshirts, natürlich aus Merinowolle, eine Wechselhose mit Zip-Off-Funktion und eine warme Shellhose fürs Mount Everest Basecamp in Tibet. Die hohen Wanderschuhe tragen wir bereits bei der Anreise an den Füssen. Sandalen wollen wir uns später in Shanghai kaufen.
Nullmal schlafen
Noch nullmal schlafen. Endlich ist es so weit. So viel Planung steckte hinter dieser Reise.
Heute Abend um 22:00 Uhr startet unser Flieger. Mit Marcel, der sich als Flughafentaxi angeboten hat, ist ausgemacht, dass wir uns um 17 Uhr treffen.
Bis dahin gibt es – nichtsdestotrotz – noch viel zu tun. Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Martin fährt zur Arbeit. Ich kümmere mich um den letzten Feinschliff und mache dann in der Wohnung Klarschiff. So der Plan.
Die Schlanghorns sind ready.

Der Moment, in dem alles kippt
Um 8:30 Uhr meldet sich Ami, unsere Reiseleiterin von Tibet Vista, und fragt, ob unser Flug schon abgesagt wurde. Äh, nein. Warum?
Die Aufstände in Kathmandu sind soeben eskaliert. Die Flüge der anderen Gruppenmitglieder wurden gecancelt. Der Flughafen in Kathmandu, Tribhuvan International Airport ist geschlossen. Das Regierungspräsidium steht in Brand, Politiker werden nackt durch die Stadt gejagt.
Ab diesem Moment ist für mich Bluthochdruck und purer Stress angesagt.

Hotline-Hölle
Ich rufe bei unserer Fluggesellschaft Etihad an. Sie wollen von nichts wissen und die Flüge nicht absagen. Unser Problem: Heute Abend startet erst einmal nur der Flug nach Abu Dhabi. Dort müssen wir umsteigen, der eigentliche Flug nach Kathmandu ist erst morgen Mittag. Wir haben aber absolut keine Lust, in Abu Dhabi zu stranden.
Frau Shiraz von der Etihad-Hotline sieht das anders. Ihre Empfehlung:
· Auf die offizielle Stornierung warten oder den Flug antreten
· Falls es in Abu Dhabi nicht weitergeht, werde man uns vor Ort helfen. Umbuchen oder Rückflug seien dann möglich
Weitere „Optionen“:
· Stornieren wir auf eigene Faust, bekommen wir kein Geld zurück
· Stornieren wir später als vier Stunden vor Abflug, zahlen wir sogar eine Strafgebühr
· Für 160 Euro pro Person können wir den Flug umbuchen
Umbuchen. Das klingt kurz nach Hoffnung. Ich denke an Shanghai. Doch diese wird sofort im Keim erstickt: Umbuchen ist nicht auf einen anderen Flughafen möglich, nur auf einen anderen Zeitpunkt. Was für ein Scheiss.
Versicherungen, die nichts versichern
Da ich bei Etihad nicht weiterkomme, rufe ich beim ADAC an. Wir haben schließlich eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung.
Der Telefonsupport ist eine Katastrophe. Endlose Warteschleifen, furchtbare Musik. Nach 25 Minuten werde ich einfach rausgeschmissen. Ich wähle erneut. Wieder Gedudel. Endlich ein Mensch. Weiterleitung. Wieder Gedudel. Dann der nächste Mensch in der Leitung.
Der kann mir nicht helfen und verweist mich an die Fachabteilung in München (08976762737).
Dort heisst es: Es ist noch kein Schaden entstanden, also sei ich falsch. Sie bearbeitet nur Schadensfälle. Sie verbindet mich weiter – sprich: zurück in die Hotline.
Es ist zum Kotzen. Ich muss mich wirklich zusammenreissen, halbwegs freundlich zu bleiben.
Irgendwann bekomme ich eine klare Antwort: Die Reiserücktrittsversicherung greift nicht. In den AGB steht, dass bei Reisewarnungen, Krieg, Kernenergie und inneren Unruhen keine Leistung erfolgt. Nur bei Krankheit. Und krank sind wir ja „offensichtlich“ nicht.
Sollten wir die Reise antreten, obwohl die inneren Unruhen bekannt sind, und dann in Abu Dhabi feststecken, greift auch die Reiseabbruchversicherung nicht. Die Situation sei ja vor Reiseantritt bekannt gewesen.
Die offizielle Meldung des Auswärtigen Amtes bestätigt das.

Verlassen – von allen
Da wir über booking.com gebucht haben, hoffen wir auf Hilfe. Vergeblich. Am Ende ist es wohl egal, über welche Plattform man bucht – sie lassen einen alle im Stich. Wie naiv wir waren.
Ja, wir haben bewusst den minim teureren Flug über booking.com gebucht, weil wir Angst hatten, bei Trip.com und Co mit den schlechten Bewertungen im Regen zu stehen. Jetzt stehen wir bei booking.com genauso doof da.
Und ja, wir haben mit PayPal Waren und Dienstleistungen bezahlt. Und nein – auch von dort werden wir einen Fall eröffnene.... und kein Geld zurückbekommen.
Die Entscheidung
Es ist nervenzerreissend. Die Zeit rennt. Wir müssen uns vor 17 Uhr entscheiden und kostenpflichtig stornieren, sonst kommt noch eine Strafgebühr für das Nichtantreten dazu.
Ich bin verzweifelt und überfordert. Wir müssen eine Entscheidung treffen. Und wir müssen handeln.
Fliegen wir nach Abu Dhabi? Dann müssten wir – ganz nebenbei – jetzt los. Und was dann?
Selbst wenn unser Anschlussflug aus völlig unrealistischen Gründen stattfindet und in Kathmandu landet, würden wir in einem Land ausser Kontrolle festsitzen. Die Grenzen nach Tibet sind geschlossen, unsere Überlandreise abgesagt.
Das ist keine Option.
Abbruch
Es bleibt nur die kostenpflichtige Stornierung.
Ich muss mich beeilen (wegen der Strafgebühr, wenn ich zu spät storniere). Ich rufe an. Der deutschsprachige Support hat bereits Feierabend. Ich muss auf Englisch stornieren. Mühsam.
Dann habe ich es geschafft. Das war’s. Der Flieger nach Abu Dhabi fliegt ohne uns.
Ich bin fix und fertig. Mein Bluthochdruck fällt zusammen. Ich bin durch und warte nur noch auf Martin.
Als letzte Amtshandlung dieses beschissenen, völlig überstressigen Tages rufe ich meinen „neuen“ Chef an und frage, ob ich den Rest der Woche zur Arbeit kommen darf. Ich darf.
Immerhin – etwas Gutes an diesem Tag.
Spoiler: Auch wenn es in der aktuellen Situation total frustrierend ist…
Im Nachhinein werden wir das anders sehen und ganz froh darüber sein, zuerst beim Kai aufzuschlagen und „China“ kennenzulernen. Mehr verraten wir nicht.
Cancelt
Wir haben alles Richtig gemacht. Am nächsten Tag wird der Anschlussflug von Abu Dhabi nach Kathmandu offiziell von Etihad gecancelt.
Ja – wir wussten es.
Ja – wir wären gestrandet.
Ja - wir haben alles richtig gemacht.
Und nein: Wir bekommen kein Geld zurück. Weder von Etihad noch von booking.com, noch von PayPal.
Wir hätten, damit wir unser Geld zurückbekommen würden nach Abu Dabi fliegen müssen und dort „erfahren“, dass der Anschlussflug nach KTM nicht stattfinden kann. Und dann wieder zurück nach Frankfurt.
Wir erstatten Strafanzeige und stellen einen Antrag bei der Schlichtungsstelle. Sie ist unsere letzte Hoffnung. Noch, Stand 11.06.2026, läuft die „Prüfung“.
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