




Donnerstag 12.09.2019
Zeit unterwegs von 11:45 bis 16:30 Uhr
Zeit in Fahrt = 3:06 h
Hohe Tatra [SK] → A3 → Snina [SK]
195 Kilometer
China & Südkorea


17.09.25
Ausflug nach Qibao Ancient Town (七宝古镇)
Mit Didi und U-Bahn - ganz alleine

Martin geht es zum Glück langsam wieder etwas besser. Zum Glück. Wir wollen üben.
Morgen fliegen wir nach Südkorea. Dann sind wir auf uns allein gestellt und müssen in der morgendlichen Rushhour sicher zum Flughafen kommen. Heute haben wir dagegen alle Zeit der Welt, um uns in Ruhe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut zu machen. Zur Sicherheit – zwar absolut unnötig – stecken wir von Kai noch ein bisschen Bargeld ein. Keine Ahnung warum, aber uns ist es so irgendwie wohler.

Angie verbringt den heutigen Tag mit ihrer Frauengruppe „Mosaik“, die sich bei ihnen zu Hause zum Basteln trifft.

Kai und Angie überlassen uns für die Zeit bei Ihnen ein Buch mit dem Namen: „111 Orte in Shanghai, die man gesehen haben muss“.
Darin entdecken wir unser erstes Ausflugsziel: Qibao Ancient Town (七宝古镇). Eine historische Wasserstadt mitten in Shanghai. Kanäle, alte Steinbrücken, kleine Tempel und unzählige Essensstände – genau das Richtige für unseren ersten Ausflug auf eigene Faust. Direkt daneben befindet sich auch der berühmte Qibao-Tempel mit seinem goldenen Buddha.
Didi-Taxi
11:11 Uhr: Wir öffnen Amap und geben unser Ziel ein. Ich muss ehrlich sagen: Amap ist genial. Sogar noch besser als Google Maps. Sorry Google, aber die Wahrheit muss gesagt werden. Die App berechnet sofort verschiedene Routen mit allen Verkehrsmitteln, inklusive Laufwegen, Umsteigezeiten und sogar den richtigen Ausgängen der U-Bahn-Stationen. Wir entscheiden uns für eine Kombination aus Didi-Taxi und U-Bahn.

Über Alipay bestellen wir zum ersten Mal ein Didi-Taxi. Als Ziel geben wir Exit 4 der Jiuting Subway Station ein. Von dort möchten wir mit der Metro weiter nach Qibao fahren.
Die „Bestellung“ ist erstaunlich unkompliziert. Didi erkennt unseren Standort automatisch, zeigt den Fahrpreis und die voraussichtliche Wartezeit an.
Didi-Regel Nr. 1: Immer den richtigen Ausgang/Eingang einer U-Bahn-Station angeben. Sonst kann es passieren, dass zwischen dir und der U-Bahnstation eine sechsspurige Stadstrasse, plus Rollerstreiffen lieg.
Unser Taxi ist bereits nach drei Minuten da. Die Fahrt kostet 14,85 Yuan – umgerechnet etwa 1,80 Euro.
Also nichts wie raus aus dem Haus.
Uns schlägt sofort wieder diese unglaubliche Hitze entgegen. Es ist nicht einfach nur warm. Es ist drückend, schwül und fühlt sich brutal an.
Um 11:20 Uhr steigen wir in ein modernes weisses E-auto.

Während der Fahrt erinnern wir uns an einen weiteren Tipp von Kai.
Didi-Regel Nr. 2: Immer auf der rechten Seite ein- und aussteigen.
Der Grund ist einfach: Die Fahrer halten oft nur kurz direkt am Strassenrand. Links auszusteigen wäre lebensgefährlich, denn dort rauscht der Verkehr teilweise unmittelbar am Auto vorbei.
Am Ziel steigen wir aus und bestätigen die Bezahlung in der Didi-App.
Cool. Das war einfach.


Premiere in der Shanghaier Metro
Um 11:38 Uhr betreten wir ab die U-Bahn-Station.
Ich muss zugeben: Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie U-Bahn gefahren. In der Schweiz kenne ich das nicht.

Wir folgen einfach der Beschilderung. Ehrlich gesagt ist alles viel einfacher, als wir erwartet haben. Am Ticketautomaten stellen wir die Sprache auf Englisch um, wählen unsere Zielstation aus und bezahlen ganz unkompliziert per Alipay. Ein kurzes „Piep“ – fertig.
Für unsere kurze Strecke kostet das Ticket lediglich 3 Yuan pro Person - umgerechnet rund 37 Cent.
Eigentlich wirkt alles sogar deutlich einfacher als so manche Erfahrung am Fahrkartenautomat in der Schweiz oder Deutschland.



Was uns ebenfalls überrascht, ist die Sicherheitskontrolle. Nicht nur die vielen Kameras, sondern bevor man überhaupt in den eigentlichen U-Bahn-Bereich gelangt, muss jeder Fahrgast – genau wie am Flughafen – durch eine Gepäckkontrolle.
Allerdings läuft hier alles erstaunlich zügig ab.
Während man weiterläuft, legt man seinen Rucksack oder seine Tasche auf das Förderband, geht selbst durch den Scanner und nimmt sein Gepäck auf der anderen Seite direkt wieder entgegen. Nur wenn es plötzlich laut „PIEEEP“ macht, wird man von der Security herausgewunken. Aber diese Geschichte kommt später. Heut klappt alles.
Wir nehmen unser Gepäck wieder zu uns, und weiter gehts.

Erst nach der Sicherheitskontrolle kommt das eigentliche Zugangstor zur Metro. Dort steckt man sein Ticket in das Drehkreuz und darf den Bahnsteig betreten.
Das heisst: Ohne Gepäckcheck und ohne Ticket kein Zugang zum Gleisbereich. Du hast dort keine „Penner“ rumsitzen.

Um 11:49 Uhr stehen wir bereits auf dem Bahnsteig.
Von dem Moment an, als wir die U-Bahn-Station betreten haben, bis wir am Gleis stehen, sind gerade einmal zehn Minuten vergangen. Dafür, dass es unser allererstes Mal war, finden wir das ziemlich beeindruckend.

Lange warten müssen wir ebenfalls nicht.
Um 11:51 Uhr fährt unsere Metro ein.
Nur wenige Minuten später sitzen wir im klimatisierten.


Amap lassen wir einfach mitlaufen. Und Schwupp, gearde mal zwei Stationen später erinnert uns die App, dass wir aussteigen müssen.
Beim Verlassen der U-Bahn stecken wir unser Ticket noch einmal in ein Drehkreuz. Die Plastikkarte wird eingezogen, neu programmiert und später für den n ächsten Fahrgast wiederverwendet. Ein erstaunlich einfaches und gleichzeitig nachhaltiges System. Manchmal bekommt man aber auch Papier-Tickets. Diese muss man beim verlassen nur abscannen und dann selbst entsorgen.

Durch die Hitze nach Qibao
Boah, ist das heiss.
32 °C hören sich zunächst gar nicht so schlimm an. Aber zusammen mit einer Luftfeuchtigkeit von 76 % fühlt es sich an, als würde man durch eine warme Waschküche laufen.
In der U-Bahn und den Einkaufszentren wird auf max. low Temperaturen heruntergekühlt. Kaum tritt man wieder nach draussen, läuft man gegen eine regelrechte Hitezewand.
Wir laufen, schlendern gemütlich durch die Strassen, vorbei an den riesigen Hochhäusern. Amap führt uns zuverlässig in Richtung der historischen Wasserstadt.
Bald werden wir auch verstehen, warum in Shanghai so viele Menschen selbst für kurze Strecken ein Didi-Taxi bestellen. Diese Erkenntnis werden wir zwar erst in den nächsten Tripps in die Mega-City so richtig verinnerlichen – aber schon heute merken wir, wie anstrengend selbst ein Kilometer Fussweg werden kann, was wir normalerweise problemlos laufen.


Um 12:13 Uhr erreichen wir Qibao Ancient Town.
Was für ein schöner Ort.


Erste Hilfe

Unsere zweite Wasserstadt

Genau wie gestern gibt es die unterschiedlichsten Händler. Die einen versuchen mit viel Engagement, ihre Waren an den Mann zu bringen, während andere ganz entspannt vor ihrem Laden sitzen und uns kaum beachten. Alles wirkt lebendig, aber überhaupt nicht aufdringlich.




Wir schlendern langsam weiter in Richtung Tempel.
Was auffällt, ist diese krasse Kontrast zwischen Tradition und Moderne.
BILDER
Der lachende Buddha
Noch bevor wir den eigentlichen Tempel betreten, fällt unser Blick auf eine riesige goldene Buddhafigur im Vorhof.
Es handelt sich um Budai, lachenden, dickbäuchigen Buddha. Er sitzt halb zurückgelehnt, lacht breit, hat einen gewaltigen Bauch und ist von vielen kleinen Figuren (Kindern und Gottheiten) umgeben, die auf ihm klettern und spielen.
Er gilt als Symbol für Zufriedenheit, Grosszügigkeit, Gelassenheit und Toleranz. Deshalb nennen wir ihn, den Buddha der Toleranz.

Wir bleiben eine Weile stehen, geniessen die Stimmung, suchen uns ein schattiges Plätzchen und „dampfen“ ab.
Wir beobachten, wie ein paar gläubige Buddhisten, das Heiligtum immer wieder im Uhrzeigersinn umrunden. Die rituelle Umrundung ist eine Form der Verehrung und des Gebets. Es geht also nicht darum, einfach einmal drumrum zu laufen und weiterzugehen. Manche drehen Runde um Runde – ruhig und konzentriert, immer wieder denselben Weg. Aber dazu später, beziehungsweise nächstes Jahr, wenn wir nach Tibet, reisen mehr.
Es grollt. Hinter den Tempeldächern ziehen dunkle Wolken auf. Gleichzeitig kommt ein frischer Wind auf. Angenehm :-).
Wir machen uns auf den Weg zum eigentlichen Tempel. Weit ist es nicht, aber das kurze Stück durch die brütende Hitze hat es in sich. Schon wieder sind wir schweissgebadet. Grins

Kleiner Tempel
Ehrfürchtig betreten wir den kleinen Nanqibao-Tempel – und staunen. So etwas haben wir bisher noch nie gesehen. Im Innenhof steht ein auffälliges, mehrteiliges Räuchergefäss. Überall leuchten und goldie Dinge entgegen, unzählige Figuren reihen sich aneinander und dazwischen stehen Opfergaben, Blumen und Früchte. Alles ist bunt, üppig und für uns völlig ungewohnt.
Wir schauen uns erst einmal in Ruhe um und lassen die vielen neuen Eindrücke auf uns wirken.



Der Grosse Tempel
Nach dem kleinen Tempel geht es wieder ein Stück zurück. Vor uns steht der grosse Qibao-Tempel (Qibao Jiaosi).
Kaum haben wir das Tor passiert, staunen wir schon wieder. Was wir gerade noch als kleinen, engen Tempel erlebt haben, wirkt hier plötzlich riesig. Vor uns liegt ein weitläufiger Innenhof.

Die Pagode, die man von weiten sieht, steht hier. Sie ist das Wahrzeichen des Tempelgeländes. An jeder Etage sitzen kleine goldene Buddhafiguren in ihren Nischen.


Besonders beeindruckend finden wir aber den Blick über die Tempelanlage. Hinter den goldenen Dächern ragen die modernen Wohnhochhäuser Shanghais in den Himmel. Genau dieser Gegensatz fasziniert uns: Hier stehen jahrhundertealte buddhistische Traditionen und die moderne Grossstadt unmittelbar nebeneinander.

Und noch aus einem anderen Blickwinkel

Unsere erste Bestellung per QR-Code
13:00 Uhr, Zeit, um eine kleinigkeit zu essen.
Auf dem Tempelgelände entdecken wir ein Restaurant.
Wie Kai es uns erklärt hat, scannen wir den QR-Code am Tisch mit Alipay.
Fehlermeldung.
„Ungültiger QR-Code.“
Noch einmal.
Wieder nichts.
Wir schauen uns ratlos an. Da zeigt uns ein Mann im Mönchsgewand vom Nachbartisch freundlich auf ein grosses Holzschild, das mitten auf unserem Tisch steht.
Darauf befindet sich der eigentliche QR-Code.
Oh Mann ...
Peinlich. Grösser hätte das Schild wirklich nicht sein können.
Jetzt funktioniert alles problemlos.

Die digitale Speisekarte ist praktisch.
Zu fast jedem Gericht gibt es ein Bild – wenn auch qualitativ eher bescheiden – und der in Alipay integrierte Übersetzer hilft uns dabei, überhaupt zu verstehen, was wir bestellen wollen.
Anfangs nutzen wir noch die Übersetzung von Chinesisch nach Deutsch. Später werden wir – auf Kais Empfehlung – auf Chinesisch nach Englisch umstellen. Das funktioniert deutlich besser. Aber auch hier gilt: Wir müssen erst unsere eigenen Erfahrungen sammeln.
Die deutsche Übersetzung sorgt manchmal für unfreiwillige Komik. Statt verständlicher Gerichte erscheinen plötzlich Bezeichnungen wie „Alte Frau Tofu“ oder ähnlich kuriose Kreationen. Da muss man schon ziemlich viel Fantasie mitbringen.
Schliesslich entscheiden wir uns für ein Gericht mit dem Namen „7 Schätze“ für 28 Yuan, also rund 3,40 Euro.
Das klingt spannend.
Also bestellen wir es einfach.
Dazu einen Apfelsaft, ebenfalls für 28 Yuan, und einen grünen Bohnenkuchen für 15 Yuan.
Insgesamt bezahlen wir 71 Yuan – umgerechnet etwa 8,60 Euro.
Was wir da eigentlich bestellt haben, erfahren wir erst später.
Überraschungen beim Mittagessen
Schliesslich wird unser erstes Gericht serviert.
Da wir nicht wissen, was wir bestellt haben, vermuten wir zunächst, dass dies der grüne Bohnenkuchen sein muss.
Schmeckt schonmal gut.
Es ist jedoch nicht der „Bohnenkuchen, sodern die „7 Schätze“, die in Wirklichkeit eine Art Qibao-„Ente“ – eine traditionelle buddhistische Spezialität aus Tofuhaut ist. Und trotz des Namens enthält sie natürlich überhaupt kein Fleisch. Das Tempelrestaurant bietet ausschließlich vegane köstlichkeiten.
Also warten wir auf den Rest.
Und warten.
Und warten.
Irgendwann frage ich nach unserem Getränk und dem zweiten Gericht.
Der Apfelsaft ist leider ausverkauft.
Und der Bohnenkuchen?
Der befindet sich im Selbstbedienungs-Kühlregal.
Kurz darauf bringt man uns tatsächlich eine originalverpackte Sechserpackung Bohnenkuchen aus dem Kühlregal an den Tisch.
Okay ...
So etwas Abgepacktes hätten wir in einem Restaurant vermutlich niemals bestellt.
Der Bohnenkuchen schmeckt leider ungefähr so künstlich, wie er aussieht. Gar nicht unser Fall.
Vier Stück bleiben übrig. Also packen wir sie wieder ein und nehmen sie mit.
Als Ersatz für den Apfelsaft nehmen wir ein Zitronenwasser für 8 Yuan.

Der Heimweg
Draussen hat inzwischen leichter Regen eingesetzt. Die Luftfeuchtigkeit … ich muss nichts sagen, kann sich jeder selber vorstellen.

Wir schlendern noch einmal durch die Gassen der Altstadt Richtung U-Bahn.

Was für ein Kabel-Wirrwarr - Faszinierend

14:48 Uhr: Dank Amap finden wir den richtigen: Eingang sofort wieder. Im Gegensatz zu heute Morgen nehmen wir eine kleine Abkürzung durch die klimatisierte Mall. gigantisch.


Das Prozedere ist uns bekannt.
Ticket am Automaten kaufen – wieder nur 3 Yuan pro Person –,
Gepäck durch den Scanner,
Ticket ins Drehkreuz stecken
und hinein in die Metro.
Um 14:55 Uhr fährt unser Zug ab.
Zwei Stationen später steigen wir wieder aus und bestellen über Didi ein Taxi zu unserem Standort.
Der nächste Fahrer ist gerade einmal 1,6 Kilometer entfernt und wenige Minuten später bereits bei uns. Das Didi kostete uns 14 Yuan ca. 1,70€.
Um 15:23 Uhr sind wir wieder zurück.
Unglaublich.
Eigentlich war der heutige Tag nur als kleine Übung gedacht. Am Ende fühlt er sich fast wie eine bestandene Prüfung an.

Als wir wieder zu Hause ankommen, wird uns erst bewusst, was wir heute eigentlich geschafft haben. Unser erster Ausflug mitten durch Shanghai – komplett auf eigene Faust organisiert. Didi-Taxi, Metro, Ticketautomaten, Restaurantbestellung... und wir sind ganz ohne Probleme wieder zurückgekommen.
Mit jeder kleinen Herausforderung verschwindet ein Stück Unsicherheit. Shanghai wirkt plötzlich gar nicht mehr so riesig und einschüchternd wie bei unserer Ankunft.
Ein richtig gutes Gefühl – und morgen wartet bereits das nächste Abenteuer auf uns: Südkorea. Wir müssen Pünktlich, mit Didi und Metro, beim Flughafen eintreffen.
Zurück in Kai´s Haus
Die Housekeeperin ist gerade dabei, den Boden zu wischen und die Tische zu reinigen. Also flözen wir uns kurzerhand mit einem Kaffee und dem restlichen Kuchen, den Angies Freundinnen vom Basteln übrig gelassen haben auf die Couch und lassen den Nachmittag langsam ausklingen.

Duale Planung: Seidenstrasse und Jeju
Kurz nach uns kommt auch Kai nach Hause. Viel Zeit bleibt ihm allerdings nicht, denn er bringt Angie erst einmal zu ihren Nachhilfeschülern. Während sie unterrichtet, setzen wir uns an den Esstisch und widmen uns unserer grossen China-Reise in der kommenden Woche.
Die Fernzüge hatten wir bereits vorgestern herausgesucht. Heute wollen wir die passende Route fertig planen und nach Unterkünften suchen.
Währenddessen kümmert sich Martin um den morgigen Flug nach Südkorea. Die Flüge sind ebenfalls bereits gebucht, jetzt fehlen noch ein Mietwagen für Jeju und eine funktionierende koreanische eSIM.
Im Wohnzimmer laufen also gleich zwei Reiseplanungen parallel.
88 – Das Grillrestaurant
Als Angie wieder zurück ist, fahren wir gegen 18:30 Uhr gemeinsam ins sogenannte 88.
Der Name ist eigentlich nur ein Spitzname. Das Restaurant heisst nicht wirklich so. Die Bezeichnung stammt daher, dass das All-you-can-eat-Buffet 88 Yuan pro Person kostet. Ab 2 Personen.
Kai fährt uns mit dem Auto dorthin.
Als wir eintreten, sitzen Lukas und Henry bereits am Tisch. Ein Grillrestaurantbesuch lassen sich die beiden natürlich nicht entgehen.
In der Mitte jedes Tisches ist eine Grillplatte eingelassen. Rund um uns herum wird gebrutzelt, was das Zeugs hält. Über jedem Tisch hängt ein grosser Abzug, der den Rauch direkt absaugt.

Das Buffet ist beeindruckend.
Eine riesige Auswahl an Fleisch, Gemüse, Salaten, Obst und vielen Dingen, die wir gar nicht kennen.
Besonders interessant finden wir, dass viele Chinesen Salatblätter wie kleine Wraps verwenden. Egal ob gegrilltes Fleisch, Pilze oder Gemüse – alles wird kurzerhand in ein Salatblatt gewickelt und mit den Händen gegessen.
Wir probieren uns quer durchs Buffet.
Für umgerechnet rund 10,70 Euro pro Person (88 Yuan) – Getränke kommen noch dazu – kann man sich wirklich nicht beschweren.
Pappsatt fahren wir gegen 21 Uhr wieder nach Hause.

Planungsabend bis tief in die Nacht
Kaum zurück, beginnt die zweite Runde der Reiseplanung.
Für Südkorea dürfen wir nur mit kleinem Handgepäck fliegen. Unser Osprey-Rucksack mit 55 Litern ist dafür eindeutig zu gross.
Martin richtet die neu gekaufte eSIM ein. Diesmal stammt sie von einem anderen Anbieter. Ausserdem organisiert er den Mietwagen und erstellt einen Zeitplan für morgen. Wann müssen wir aufstehen? Wie lange braucht das Taxi zur U-Bahn Station? Welche Metro Linie müssen wir nehmen? Wo aussteigen? Wann hebt unser Flugi ab?
Während ich Martin mit einer Gehirnhälfte helfe, plant die andere Hälfte bereits gemeinsam mit Kai unsere Individualreise durch China.
Die Zugverbindungen, die wir vor zwei Tagen sorgfältig herausgesucht hatten, sind inzwischen nicht mehr buchbar.
Ausverkauft.
Viele Fernzüge innerhalb Chinas sind bereits komplett belegt.
Schulferien.
Wir probieren eine Route nach der anderen.
Keine Chance.
Unser Startpunkt Yinchuan und unser Ziel Dunhuang stehen fest, denn die Inlandsflüge dorthin haben wir bereits gebucht. Ursprünglich wollten wir von Yinchuan aus mit dem Zug entlang der nördlichen Seidenstrasse bis nach Dunhuang reisen – durch den berühmten Hexi-Korridor.
Über Jahrtausende war dieser rund 1.000 Kilometer lange Landstreifen die wichtigste Verbindung zwischen dem chinesischen Kernland und Zentralasien. Nördlich liegen die lebensfeindliche Gobi-Wüste und die mongolische Steppe, südlich erhebt sich das unwirtliche Tibetische Hochland. Dazwischen verlief einer der bedeutendsten Abschnitte der historischen Seidenstrasse. Der Hexi-Korridor.
Doch unser Plan funktioniert nicht mehr.
Also wird improvisiert.
Auf der grossen Papierkarte entdecken wir eine Bahnstrecke durch die Innere Mongolei. Allerdings finden wir dazu keine passenden Personenzüge. Vielleicht verkehren dort nur Güterzüge. Vielleicht interpretieren wir die Karte auch einfach falsch.
Egal.
Dann kommt uns die Idee.
Xining.
Warum eigentlich nicht?
Von Yinchuan gibt es eine Zug Verbindung nach Xining. Dort könnten wir zwei Nächte bleiben und anschliessend per Inlandsflug weiter nach Dunhuang reisen.
Je länger wir darüber sprechen, desto besser gefällt uns der neue Plan.
Xining ist ohnehin ein wichtiger Eisenbahnknoten. Von Xining aus beginnt die spektakuläre Strecke über das Qinghai-Hochland bis nach Lhasa. Ursprünglich hatten wir geplant, auf unserer Rückreise von Tibet hier in einen Zug nach Shanghai umzusteigen.
Also buchen wir kurzerhand.
Flüge.
Züge.
Nur etwa 100 bis 150 Kilometer westlich von Xining entdecken wir auf der Karte einen grossen See. Irgendetwas daran weckt sofort unsere Neugier. Mit einem Mietwagen liesse sich daraus ein schöner Tagesausflug machen. Aus Ideen werden Taten – und so reserviert Kai kurzerhand gleich noch einen Mietwagen.

Fast zeitgleich ruft Martin vom anderen Ende des Tisches:
„Die eSIM läuft!“
Auch der Mietwagen für Jeju ist gebongt.
Wenn wir morgen auf der Insel landen, bringt uns ein kostenloser Shuttlebus direkt vom Flughafen zur Autovermietung. Von dort aus werden wir Jeju die nächsten Tage mit dem Auto erkunden.
Es ist inzwischen 23:30 Uhr.
Es fehlt nur noch eine Unterkunft für Jeju.
Aber irgendwann ist auch Schluss.
Kurz vor Mitternacht fallen wir todmüde ins Bett.
Der Wecker ist auf 05:00 Uhr gestellt. Morgen beginnt das nächste Abenteuer.
Südkorea. Wir sind gespannt.
Gute Nacht.
Unterkunft
Kais Zuhause in Shanghai
联民路99弄圣堡别墅 222号楼, 上海青浦
Ausgaben:
Didi + U-Bahn: 41,70 ¥
Verpflegung Mittag: 79 ¥
Abendessen Grillrestaurant 韩友烤牛肉店: 97,5 ¥ pro Person

























