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Luftwirbel traveling... Karpaten

Reisetagebuch
Karpaten

Bei Tatariw [Татарів] biegen wir von der H09, welche 30 Kilometer später auf der anderen Seite der Karpaten ins unkrainische Flachland führt, rechts auf die P24 ab.

 

Eine Ski-Sprungschanze lässt uns bei Worochta [Ворохта] erneut anhalten. Das müssen wir uns einfach genauer anschauen. Sportkomplex Avanhard [Авангард].

Heute waren die Strassen im grossen und ganzen gut zu befahren. Mal besser, mal schlechter, aber nicht wirklich schlimm. Vergleichbar mit unseren Strassen, die sind ja auch nicht überall im gleich guten Zustand.


Dass sich das bis Werchowyna noch ändert, ist uns bewusst. 20 Kilometer vor dem Ziel ist es dann soweit. Der mittlerweile löchrige Asphalt löst sich nach und nach auf und geht in eine löchrige Piste über.

 

Die staubige Piste ist nicht besonders schwierig. Mit dem Motorrad haben wir hier ganz klar einen grossen Vorteil. Tankschluss und den gröbsten Löcher so knapp wie möglich ausweichen. Bei den anderen darf die Gabel und das Federbein ihre Dienste leisten.

 

Für Vierräder dürfte die Strecke kein Vergnügen sein.

Nach knapp der Hälfte machen wir einen kleinen Stopp. Gepäck nachzurren und pinkeln. Piste fahren macht mit leerer Blase einfach viel mehr Spass.
Doch noch bevor ich die Hose runter hab, hält ein Auto. Der Fahrer fragt, ob alles in Ordnung ist. Nach einem nickendem Ja fährt es weiter.

Fast zeitgleich kündigt sich von vorne ein gelber Bus an und schüttelt langsam, mit quälenden Geräuschen an uns vorbei.

Und als ich gerade die Hose aufknöpfen will, da taucht doch tatsächlich, aus der Staubwolke des Busses, ein Velofahrer auf. Der schon etwas ältere Mann steigt von seinem Drahtesel und beginnt mit uns auf ukrainisch zu reden. Ein weiteres Auto hält und auch der Fahrer fragt los. Ich versteh kein Wort. Martin antwortet; „Werchowyna“. Beide Männer zeigen daraufhin in unsere Fahrtrichtung. Martin nickt und zeigt 10 Finger plus 3 Finger.

 

Es beginnt ein herrlicher Wortwechsel zwischen den zwei Ukrainern auf Ihre Sprache und Martin in Deutsch. Die zwei sagen, bzw. fragen etwas und Martin antwortet etwas. Mal mit einer Geste zu mir: „Swiss“, mal mit "Alemania". Mal antwortet er "rumänischen Karpaten", um danach, auf die nächste Frage, unsere Route zur erläutern. Ich verstehe nur Bahnhof.

 

Abends im Bett möchte ich von Ihn wissen, wie er denn bitteschön die Fragen verstanden hatte. „Gar nicht“, grinst er mir entgegen: „Ich habe halt auch irgendwas erzählt“.

Wir verstanden sie nicht, sie verstanden uns nicht, und trotzdem war es eine schöne Unterhaltung.
 

Der Autofahrer fährt weiter, der andere Mann steigt auf sein Velo und auch wir ziehen uns wieder die Helme auf. Nur noch 13 Kilometer. Kurz vor Werchowyna endet die Piste und ein Asphaltbelag führt in die Ortschaft.

Erinnert ihr euch an unserer Worte vom Mittwoch: "Wenn wir Werchowyna finden, finden wir auch die Brücke und dort direkt auf der anderen Seite der Brücke rechts in ein Seitengässchen, da wohnt Oksana."?

 

In Werchowyna wären wir. Die Brücke ist da drüben, aber das mit dem Seitengässchen ist so eine Sache. Das „Siedlung“ ist irgendwie grösser als erwartet. Da gibt es ganz viele Seitengässchen. 

Chornyi Cheremosh River (Schwarzer Cheremosh) [p.Ч.Черемош]

Wir müssen jemanden Fragen, der sich hier auskennt und/oder die Adresse „entziffern“ kann. So zeigen wir einem der Taxifahrer das Foto mit der kyrillischen Adresse. Dieser zückt sofort sein Handy und ruft auf die Nummer an. Der Taxifahrer vom vorderen Taxi kommt neugierig zu uns und will auch helfen. Die zwei unterhalten sich kurz und erklären uns den Weg. Ich halte ihnen mein Notizbuch hin (unser Standort, Fluss, Brücke und Strasse natürlich schon vorgezeichnet). Der „erste“ macht bei unserem Ziel ein Kreuz. Der zweite ergänzt die Skizze, um sicherzustellen, dass wir nach der Brücke auch ja das zweite Strässchen rechts nehmen.

Eine ganz ganz tolle Erfahrung, welche wir hier eben machen durften.

 

Wir bedanken uns und fahren über die Brücke, dann links, um bei der zweiten Rechts einzubiegen. Hier? Hmmm, sieht ziemlich "Privat" aus.

Vor einem geschlossenen Tor wenden wir und beim wieder zurückfahren begegnen wir einer Frau, welche mit einer Geste uns gleich wieder zum Tor zurück schickt. Sie öffnet es, „Weiter.... weiter... straight to the very back”

Es ist die Nachbarin Helene. Oksana ist heute nicht da. Helene zeigt uns unser kleines Huzulen-Häusschen, welches für die nächsten Tage unser Zuhause ist und bietet Tee an.

 

Wir richten uns ein und als Helene den Tee bringt, setzen wir uns in die Garten-Oase.

So herzig und liebevoll hier alles ist. Wir fühlen uns auf Anhieb richtig wohl.

Helene kann ein paar brocken Englisch und fragt, ob Essen um 19 Uhr ok sei. Klar.

In der Stunde, welche uns nun bis zum Essen noch bleibt, spazieren wir ins Dörfchen. Über die Brücke, an den Taxiständen vorbei direkt in ein kleines Lädchen.

4 Keckse, 2 Flaschen Wasser und eine Flasche ukrainischen Rotwein kosten 81.50 UAH (2.90€).

 

Da uns bis jetzt noch keine Kopeken (Rappen, Cent) in die Hände kamen, so geben wir 82 Hrywnja´s.

Als Retourgeld bekommen wir anstelle von 50 Kopeken ein Bonbon.

 

Erst am nächsten Tag erfahren wir, dass hier in den ländlichen Gegenden Kopeken so gut wie nicht vertreten sind und es deshalb ganz normal sei, ein Bonbon oder ein Kecks zu bekommen.

 

Noch ein paar Eindrücke, bevor wir zu „unserem“ Häusschen zurückkehren und von Helene ein super leckeres Z'Nacht bekommen.

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