




Donnerstag 12.09.2019
Zeit unterwegs von 11:45 bis 16:30 Uhr
Zeit in Fahrt = 3:06 h
Hohe Tatra [SK] → A3 → Snina [SK]
195 Kilometer
Luftwirbel traveling... Karpaten
Reisetagebuch
Karpaten

Ein kleiner Snack, ein Kaffee und, wie könnte es anderes sein, ein Blick in die Strassenkarte.
Perfekt. In 20ig Kilometer, bei Băile Tușnad gibt es einen Campingplatz. :-)

In Sânmartin kaufen wir ein:
4 Eier (Yuhuii, morgen gibt es Rührei zum Frühstück), 1 Riesen Brot, Chili, Zwiebeln, Knobli, Chips und 2 Bier.
Als wir dann in Băile Tușnad den Campingplatz endlich finden, stehen wir vor verschlossenen Toren. Echt jetzt? Das ist echt mühsam mit den Angaben der Plätze. Entweder existieren sie nicht oder haben zu.
Das mit dem gemütlichen Nachmittag können wir somit auch heute vergessen. Wir stehen vor demselben Problem wie gestern und vorgestern. Auf der freytag&brendt-Karte weit und breit kein weiterer Platz. Garmin kennt, oder meint einen zu kennen, in 22 Kilometer. Es handelt sich um ein kleines weisses Strässchen, welches sich auf 1000müM hoch schlängelt. Am Ende des Strässchen gibt es einen See und eine als Sehenswürdigkeit eingezeichnete Kapelle „Sfânta Ana“. Und dort soll es einen Campingplatz geben.
Martin will es versuchen. Ich nicht. Warum soll da oben, abseits von allem, der Campingplatz offen haben (wenn es ihn überhaupt gibt). Es ist jetzt schon wieder halb 5 und ich würde eher in Richtung einer grösseren Ortschaft fahren und dort unser Glück versuchen.
Martin ist anderer Meinung. 22 Kilometer, es ist der nächstgelegene Platz. Zudem ist die Strecke als „Sehenswert“ markiert.
Na toll, Sightseeing. Ich würde aber JETZT lieber einen Schlafplatz suchen.
Ich will jetzt nicht auf „mini-Strassen“ irgendwelche Serpentinen hochfahren, nur um nachher wieder runter zu fahren, weil da oben nichts ist.
Aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen beharrt Martin aber auf „Sfânta Ana“.
Wir sind ausserhalb der Saison, argumentiere ich weiter. Viele Plätze haben schon zu. Die grösste Chance sehe ich bei einem „Hinterhof-Campingplatz“, wie z.B der von gesterm:
Camperland: Eigentlich eine Wohnmobilgarage mit Stellplätzen und Sanitäranlagen auf der riesen grossen Wiese. Oder Vila Cristal, wo wir Ofelia und Doru kennen lernten. Auch das war eher ein Haus mit grossem Hof und „Camping im Garten“. Der alte Stall zu WC und Dusche umfunktioniert, Fertig.
Ich würde die Hauptverkehrsachse nicht verlassen. Die Wahrscheinlichkeit, an einer „grossen“ Strasse was zu finden ist 100-mal grösser.
Doch am Ende der Diskussion „muss“ einer nachgeben. Und das bin in dieser Situation ich, denn ich kann ihm keinen alternativen Platz im Umkreis bieten.

Grummlig fahre ich hinter Martin her. Bei Bixad biegen wir von der Hauptverkehrsachse ab und gelangen auf eine schmale befestigte Strasse im miesen Zustand. Ein Google-Kommentar: „The road getting there is quite damaged.” Na toll, denke ich mir.
Wir kommen an einem „Park“ oder was das ist vorbei. „Dann zelten wir hier“, schlage ich vor. Ich will uns verrecken nicht zu Sfânta Ana hoch. Doch Martins Argument gewinnt schon wieder. Es ist nicht mehr weit, nur noch 9,1 Kilometer. Und wenn da oben tatsächlich nichts ist, können wir immer noch hier unser Lager aufschlagen.
Ich stelle mich schon auf eine Nacht im Freien ein.
In der Spitzkehre biegen wir auf eine noch kleinere Strasse ab. Ich traue meinen Augen kaum. Ab da beginnt eine nigelnagelneue Teerstrasse.
Kurz vor oben hält Martin an und erfreut sich an der grandiosen Aussicht. Ich bin LEIDER immer noch in meiner grummeligen Miene versunken und schau noch nicht mal richtig hin. Da wir hier eh wieder runterfahren müssen, kann ich ja immer noch ein Foto machen.
Einen Kilometer später erscheinen Wohnmobile und Campingcars im linken Augenwinkel. Bevor ich die Situation realisiere, stehen wir auch schon an einem Schlagbaum. Rechts drei themenbezogene Informationstafeln über Bären und ein „Wanderwegkartenausschnitt“. Hier ist genau festgehalten, wie lange der Spaziergang zum See, sowie zurück dauert. Ich habe das Schild nicht fotografiert, aber gemäss Maps: Für die 1,2 Kilometer bis zum See runter (90 Meter Höhenunterschied) braucht man 13 Minuten. Zurück ist man in 20 Minuten.
Links ein Riesen Holzturm mit Informationen zu Parkplätzen, Tourist Info, Essen/Trinken und Camping. Der Pfeil Cassa zeigt auf das Holzgebäude.
Nicht zu übersehen, die Souvenirstände und etliche Kleinbusse, welche sich für die Abfahrt vorbereiten.

Hier oben Tanz der Bär. Wortwörtlich. Denn wir befinden uns im „Observator de Ursi“, ein stark frequentierten Bärengebiet.
Vor drei Monaten, im Juni 2019 waren 11 Bären im Gebiet. Davon mindestens 5 Bärenmütter mit Jungtieren.
Und „die“ laufen frei rum.
Die Camping-Area ist von einem Zwei-Meter hohen Elektrozaun umgeben. Der Mensch übernachtet hinter „Gittern“.
Wir kommen gerade noch rechtzeitg. Um 19:00 schliesst die Rezeption und die Betreiber fahren ins Tal. Dann hätten wir hier keinen Einlass mehr gekriegt. Wohlbemerkt, es ist kurz vor 6.
Für 60 RON (12.50€) die Nacht bekommen wir nicht nur die „Sicherheit“, in Sicherheit zu sein, sondern auch noch 5 Liter Trinkwasser in einer großen Flasche.

Zügig bauen wir das Zelt auf. Wir wollen nämlich noch kurz zum See wandern. An der Schranke werden wir aufgehalten. Jetzt noch zum See? Ihr müsst um 19 Uhr zurück sein. Wir nicken. Wir haben doch noch 40 Minuten. Das schaffen wir.
Ein Ranger, der unser Gespräch wohl eben mitgehört hat, bietet uns an, uns mitzunehmen. Er muss mit dem Jepp runter, und wenn wir wollen, können wir mitfahren. Gerne und schon sitzen wir im 4x4.
Was wir zu jenem Zeitpunkt nicht wissen, sondern erst nachträglich durch die Recherchen fürs Reisetagebuch erfahren: Der See befindet sich im Krater eines erloschenen Vulkans. Der EINZIGE vulkanische See in Rumänien, ja sogar in ganz zentral Europa. Das Wasser stammt nur aus Regen und Schnee. Er wird von keiner Quelle gespiesen und hat beinahe die Reinheit von destilliertem Wasser.
Dieser Vulkansee, auf einer Höhe von 946 Metern gelegen, ist zudem fast kreisförmig, 620 Meter lang und 460 Meter breit. Die maximale Tiefe beträgt sieben Meter.
//div. Quellen


Unsere Handys schaffen es leider nicht, die wunderschöne Abendstimmung qualitativ gut festzuhalten. In solchen Situationen vermisse ich unsere richtige Kamera sehr.
Während wir zurück laufen halten wir Ausschau nach Bären, entdecken aber „leider“ keine. Wahrscheinlich weil gerade „alle“ aufm dem Weg nach oben sind und dabei fleissig quatschen.
Kurz vor 19 Uhr sind wir wieder beim Camp. Überall brennen kleine Lagerfeuer. Am Feuerholz darf man sich gratis bedienen. Somit bleibt der Gaskocher heute kalt.


In einem Reisebericht las ich kürzlich: „So sitzen Nadja und ich noch lange am Lagerfeuer und schauen nach draußen über den Zaun. Natürlich sehen wir nichts, aber das Gefühl, beobachtet zu werden, bleibt. Irgendwie sitzen wir hier im Zoogehege und die Bären stehen außen herum und schauen hinein. Ein komisches Gefühl.“
Der Autor schreibt mir aus der Seele. Martin und ich sitzen tatsächlich noch eine ganze Weile am Lagerfeuer und philosophieren über Bären und Elektrozäune. Schütz der Zaun uns vor den Bären? Oder schützt er in Wahrheit die Bären vor uns Menschen. Jetzt ist nicht viel los, und nichtsdestotrotz sind mind. 10 Camper um uns herum. Eher mehr. Jetzt kann man selbst hochrechnen, wie viele Menschen in der Hauptsaison hier sind. Wir sollten eines nie vergessen: Wir befinden uns im Bärengebiet und nicht umgekehrt. Diese Wälder, Seen und More gehören seit tausenden von Jahren den Bären. Und der Mensch rückt immer wie weiter vor.
Einer der wilden Hunde, die sich hinter dem Elektrozaum (bei uns Menschen) auch wohl fühlen, leistet uns gesellschlaft und hat sich zur Aufgabe gemacht, uns vor den zwei kleinen Schosshunden vom WoMo links nebenan, zu beschützen. Die zwei waren mir von Anfang an ein Dorn im Auge. Schon beim Zelt aufbauen sage ich zu Martin, dass wir die zwei im Blick behalten müssen, die haben nur eins im Kopf: Unser Zelt markieren.
Der „wilde“ Hund hat wohl gemerkt, dass wir die zwei nicht um unser Zelt haben wollen und zeigt Präsenz. Das wirkt. Die kleinen bleiben Fern (und werden erst morgen ans Zelt pissen, als unser Beschützer schon wieder unterwegs ist).
"Unser" grosser ist überhaupt nicht aufdringlich. Auch hungrig scheint er nicht zu sein. Er begnügt sich an ein paar Streicheleinheiten und legt sich unter dem Baum schlafen.
Zugegeben. Es war eine gute Entscheidung von Martin hier hoch zu fahren. Einen besseren Plätz hätten wir nicht finden können. *Kussli*
Observator de Ursi
2 Personen + 2 Motorräder
1 Zelt
= 60 RON= 12.50€ (=6.25€/Person)
Inkl. 5 Liter Trinkwasser und Feuerholz.
Warm Duschen gratis (mittels Holzfeuer)
