Luftwirbel traveling...  offroad    

Stäuben im Piemont_2015

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Col de Sommeiller  (Colle Sommeiller) 2996 müM

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Ein neuer Tag, den Muskelkater von den letzten Tagen noch nicht auskuriert.

 

Die Sonne scheint und wir fahren mit vollen Tanks und neuer Abenteuerlust wieder Richtung Bardonecchia.

 

Ziel: Col de Sommeiller (Colle Sommeiller)

 

Die Strecke zählt nicht nur zu den wenigen völlig legal befahrbaren Schotterpisten mit SG4 in den Westalpen, sondern gilt auch als einer der höchsten (2996 Metern) mit dem Motorrad abfahrbaren Punkte in Europa, nachdem die Zufahrt zum Mont Chaberton (3131müM) um das Jahr 2000 herum endgültig gesperrt wurde (Ausnahme ist die Bergstation des Bontadini-Lifts nahe Cervinia, welche jedoch nur zu bestimmten Veranstaltungen für den Verkehr freigegeben wird).

 

Die Anfahrt beginnt in Bardonecchia und führt – zunächst noch asphaltiert – zu dem kleinen Ort Rochemolles. Kurz danach beginnt der unbefestigte Teil der Strecke, der aber hier noch gut fahrbar ist.

 

Es geht weiter, vorbei am Stausee Lago di Rochmolles und hinein in das steinige Hochtal bis zum Rifugio Scarfiotti am Talschluss. Landschaftlich faszinierend, ich bin überwältigend.

Der Weg gewinnt nun über etliche Kehren schnell an Höhe, die Landschaft wird kahl und felsig und der Zustand der Strecke schlechter.

 

Teilweise ist die Piste, im hochalpinen Umfeld, stark ausgewaschen und der Schotter wird gröber. So richtig grob. So hatte es Dieter, auch hier schon x-mal den Gipfel erobert, nicht in Erinnerung.

Es handelt sich hier um ein ehemaliges Skigebiet, welches nach einem schweren Lawinenunglück in den 1960er Jahren aufgegeben wurde. Seitdem wird der Weg nur sporadisch unterhalten. Winterschäden werden meist spät oder nur notdürftig ausgebessert – was Enduristen natürlich nur recht sein kann, mich aber an meine Grenzen bringt.

 

Jahr zu Jahr variiert die Befahrbarkeit. Hätte Dieter den aktuellen Zustand gekannt, hätte er mir das nicht „angetan“. Nein, er wäre nicht mit mir da hoch. Doch, ich habs geschafft... Nach etlichen Kehren erreichen wir schließlich nach 24,7KM die Passhöhe des Colle Sommeiller, einem einer Mondlandschaft gleichenden Hochplateau. Ich bin oben, auf dem Gipfel. Ein gutes Gefühl.


Mit dem groben, losen Schotter und Gestein kam ich besser zurecht als erwartet, oder als ich mir das im Nachhinein vorstellen kann. Die Haarnadelkurven stellten für mich (wieder einmal) die größten Probleme dar. Ich musste immer mal wieder „Füsseln“, um um die Kurve zu kommen. Ist zwar nicht eleganteste Art, aber ich bin oben. Ich bin auf dem Sommeiller, knapp 3000 müM. Für Dieter war es ein Kinderspiel... doch Er ist Richtig stolz, mit mir hier oben zu sein. Und ich auch.

Die Sonne scheint und wir sind überglücklich.

 

Hier verläuft übrigens die Grenze Italien/Frankreich.

Eine Abfahrt nach Frankreich ist nicht möglich. Wir müssen denselben weg zurück. Wie ich da aber wieder runter komme, weiß ich noch nicht. Ich hab meine Grenzen bereits überschritten,….oder erweitert?

 

Es ist ein wunderbares Gefühl, hier auf diesem Plateau zu stehen. Wir laufen die paar Schritte zum See auf französischer Seite.

Nach einer Pause und ein paar Tipps von Dieter fühle ich mich für die Abfahrt bereit. Doch schon bei der ersten Kurve blocke ich ab. Dieter fährt mir die Ténéré um die Kurve. Dann die nächste….es geht irgendwie einfach nicht. So geht’s die nächsten groben, steilen und engen Kurven weiter. Der arme Dieter (oder so bleibst du fit;) ).

In mir festigt sich die Angst…bis ich nicht mal mehr gerade aus fahren kann. Zeit für eine „Zwangspause“, um den Puls wieder zu senken und neuen Mut zu tanken. Und siehe da, danach geht’s dann auch plötzlich wieder.

Alles rein Psychologisch. Ein Überbleibsel meines Unfalls vor 2 Jahren? Ich kann's nicht erklären.

 

Irgendwie bin ich Enttäuscht. Über mich. Doch Dieter kann mich davon überzeugen, dass ich Stolz sein darf. Ich bin da hochgefahren, das ist eine großartige Leistung. Und dass ich alleine nicht runtergekommen wäre, darf ich nicht so negativ sehen. Wir sind schließlich heil unten angekommen und Dieter freute sich insgeheim, endlich mal wieder auf einer Ténéré durch Geröll fahren zu können.

Zur Feier des Tages möchte ich nochmals zum Lago Nero fahren… Und es geht noch immer nicht um den See, sondern nach wie vor um die Route zum See.

Da wir uns morgen, bei schlecht prognostiziertem Wette nach Limone verschieben wollen, verladen wir gleich noch am Abend die beiden „erschöpften“ Motorräder in den Bus.