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Dezember 2024 bis 2025

Planung

Rote und weiße Amaryllis

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Vorwort

2023 stand Kai, ein guter Freund von uns, vor einer dieser Entscheidungen, bei denen man schon beim Nachdenken merkt: Das wird das Leben verändern.

Drei Jahre Shanghai – mit Frau, Kindern und allem Drum und Dran. Jetzt oder nie.


Kai ist Gymnasiallehrer in Michelstadt und hat die Möglichkeit, im Rahmen eines Lehreraustauschs für 3 Jahre an einer Deutschen Schule in Shanghai zu unterrichten. Nach einigem Abwägen, Diskussionen, Bauchgefühl und vermutlich auch ein paar stillen “Machen wir das wirklich?”-Momenten fiel die Entscheidung: Die Familie sagt Ja.

Und schwupp – waren Kai, Angie und die drei Kids in China.


Für uns steht fest: In den nächsten drei Jahren werden wir Kai in Shanghai besuchen. China war bisher nie ein Reiseziel für uns – aber wenn ein Freund für drei Jahre dort lebt, müssen wir einfach dahin.


Die Planungsphase

Ende 2024 starten wir mit der groben Planung. Erstmal die grossen Fragen:

Wann hat Kai Schulferien? Und wann ist die beste Reisezeit?


Drei Wochen sollen es werden. Allgemein gelten Mai und Oktober als ideal. Unsere Wahl fällt schlussendlich auf den Oktober.

Kai hat in dieser Zeit eine Woche Schulferien – diese Woche wollen wir unbedingt gemeinsam mit ihm und seiner Familie verbringen. In der Woche davor haben die Schüler zwar schon frei, die Lehrer aber noch nicht. Das ist kein Problem, so Kai. Wir können in dieser Zeit von Kais Wohnort aus Ausflüge nach Shanghai und in die Umgebung machen.

Kai´s Familie besitzt vier E-Roller, die wir nutzen können. U-Bahn fahren soll auch ganz einfach sein. Und Shanghai selbst… naja. Shanghai ist nicht einfach eine Stadt, wie wir uns eine Stadt vorstellen. Shanghai ist eine andere Dimension.

Rund 26 Millionen Menschen leben hier. Allein für das erkunden der Megacity könnten wir problemlos eine ganze Woche einplanen – wahrscheinlich sogar noch länger. Kai zählt uns unzählige Möglichkeiten auf: historische Wasserstädte, die grösste Indoor-Skihalle der Welt und vieles mehr.  

Zum klassischen Shanghai-Programm gehört wohl auch, sich für erstaunlich wenig Geld einen massgeschneiderten Anzug anfertigen zu lassen. Und wer durch die Innenstadt läuft, stolpert sowieso an jeder Ecke über skurrile, beeindruckende oder einfach komplett verrückte Dinge.


Die dritte Woche wollen wir bewusst offen lassen. Die Idee: Motorrad oder Roller mieten und einen Teil Chinas auf eigene Faust entdecken. Kein fester Plan – einfach losfahren. Genau so, wie wir sonst auch unterwegs sind.

Damit steht unser Grundplan:


Teil 1: Shanghai von Kais Zuhause aus erkunden

Teil 2: Gemeinsame Reise mit Kai und seiner Familie

Teil 3: Auf eigene Faust - Mit Roller oder Motorrad


Kai´s Wunschliste

Für die gemeinsame Woche macht Kai uns mehrere Vorschläge. Kai hat, ganz nebenbei erwähnt, noch ungefähr 1064 Orte in China auf seiner persönlichen Wunschliste. Alle wird er im letzten verbleibenden Jahr nicht mehr besuchen können, aber das eine oder andere wird er auf seiner Liste bestimmt noch abhacken können. Und irgendwohin werden wir Ihn und seine Familie begleiten.


Zu seinen Favoriten zählen aktuell:

·       eine Zugfahrt nach Tibet

·       eine Reise in die Innere Mongolei

·       Südchina, in die Provinz Yunnan (Grenze zu Vietnam, aktuell extrem beliebt bei Chinesen)

·       eine Flussfahrt auf dem Mekong

·       einen Ausflug zur Chinesischen Mauer

·       oder entlang der Seidenstrasse reisen

Alles klingt spannend – aber eine Sache zieht uns sofort in seinen Bann.


Qinghai-Tibet-Bahn

Die Strecke von Xining nach Lhasa (17 Stunden) gilt als eine der spektakulärsten Zugreisen der Welt.

Die Fahrt führt über die tibetische Hochebene, durch eine Landschaft, die sonst nur schwer zugänglich ist. Ein grosser Teil der Strecke verläuft auf über 4.000 Metern Höhe, der höchste Punkt liegt bei etwa 5.072 Metern - damit ist es die Höchst gelegene Eisenbahnstrecke der Welt. Um den Sauerstoffmangel auszugleichen, sind die Zugwagen der Firma Bombardier mit einem Sauerstoffsystem ausgestattet.

Der Zug fährt durch endlose Weiten, vorbei an schneebedeckten Bergen, gefrorenen Seen, Yak-Herden und kleinen tibetischen Siedlungen.


Eine schöne Reportage gibt es in der ARD-Mediathek.



Ein paar Wochen später teilt Kai uns mit, dass er und seine Familie die Zugfahrt doch nicht antreten können: Angie darf wegen ihrer Lunge nicht so hoch hinaus.

Martin und ich sind inzwischen vom Gedanken an die Zugfahrt so begeistert, dass wir die Zugfahrt auf alle Fälle machen wollen. Schnell ist der ursprüngliche Plan umgemodelt:

 

Teil 1 bleibt: Shanghai von Kais Zuhause aus erkunden

Teil 2 bleibt: Reise mit Kai und Familie

Teil 3 neu: Mit dem Zug nach Lhasa – und von dort direkt zurück nach Frankfurt fliegen


Klingt erstmal einfach. Ist es aber nicht.



Planung Tibet – Eine riesige Herausforderung.

Ich hätte nie gedacht, dass es so kompliziert sein kann, eine Zugfahrt zu organisieren. Aber Tibet hat ein paar ganz eigene Spielregeln – und die heissen nicht “Spontanität” oder “Einfach mal machen”.  

 

Erste Hürde: Tibet Travel Permit. Ohne dieses Permit darf, bzw. kann man nicht nach Tibet einreisen. Und das kann man nicht einfach irgendwo kaufen. Man bekommt es nur, wenn man bei einem anerkannten Reiseanbieter eine Reise bucht.


Zweites Problem: Guidepflicht. In Tibet kann man nicht einfach ankommen, aussteigen und ein paar Tage auf eigene Faust herumlaufen oder Fahren. Es gilt strenge Guidepflicht.



Wir schauen nach geführten Rundreisen. Da gibt es alles: von 4 Tagen Klosterbesichtigungen bis zu Wanderwochen mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen. Wandern auf über 3.000 Metern können wir mit unserer… sagen wir mal: nicht vorhandenen Kondition direkt wieder vergessen.

 

Dann stolpere ich über Anbieter, die scheinbar genau das anbieten, was wir suchen: Motorrad bzw. Roller mieten in Lhasa. Ich schreibe mehrere an und frage nach Tibet Travel Permit und Guidepflicht. Die Antworten reichen von “gar keine Rückmeldung” bis zu “Sie können - bei uns - ein Motorrad mieten und sich frei bewegen.”

 

Klingt gut. Zu gut.

Auf mehrfache Nachfrage, ob sie denn auch das Tibet Travel Permit ausstellen können, kommt dann… nichts mehr.

Kurz gesagt: Wenn man bei so einem Anbieter ein Motorrad mietet, aber dann nicht nach Tibet reingelassen wird, hat man halt Pech.

 

Geführte Motorradtouren gibt es auch – aber sie sind sehr teuer und dauern meist mehr als10 Tage. Ein Beispiel: 15 Tage, davon 10 Fahrtage – 5.500 Euro. Beifahrer 4.290 Euro. (overlandtour / tibetmoto.de). Schon happig.


Zu viele Fragen

Mit vielen Fragezeichen im Kopf rufe ich bei Hendrik von tibetmoto.de an. Deutscher Anbieter geführter Touren.

Und das Gespräch ist ehrlich gesagt Gold wert – auch wenn es mir direkt und gnadenlos ein paar Illusionen zerlegt.

 

Tibet Travel Permit: Ja, das würden wir von ihm erhalten. ABER: Dann müssen wir die Route umplanen und nach Lhasa fliegen, dort die Tour machen und danach mit der Bahn nach Shanghai. Wenn wir wie geplant mit dem Zug nach Lhasa fahren, müsste sein Team uns das Permit via Bahn organisieren und eigentlich dann dort, wo wir in den Zug einsteigen, uns das Tibet-Travel-Permit persönlich überreichen. Ein ziemlicher Aufwand.

 

Dauer: Eine Woche (inkl. 2 Tage Zugfahrt) reicht nicht. Keine Chance. Unter 12 Tagen bietet er keine Touren an. Die ersten 2–3 Tage geht es nur um Akklimatisierung rund um Lhasa (ca. 3.500 m), erst dann fährt die Gruppe Richtung Mount Everest Base Camp (EBC).

Ich antworte: Uns geht’s primär um die Zugfahrt und dann ein paar Tage in und um Lhasa. Er sagt: Das EBC ist DAS Highlight. Wer in Tibet ist, muss da hin.

Und nein, es geht nicht, dass wir drei Tage mit der Gruppe mitfahren, und uns dann ausklinken und abreisen.


Guidepflicht: Absolut streng. Motorrad ohne Guide? Geht nicht. Es gibt militärische Checkpoints. Da kommt keine Maus durch.

Soviel zu den “frei bewegen”-Anbietern. Ich sags ja: Gauner und Halunken.


Reisedaten: Keiner der fixen Tour Termine passt zu unserem “Wir besuchen Kai in Shanghai”-Plan.


Privatguide: Zum einen zu teuer. Zum anderen hat er, Hendrik, im September/Oktober keine freie Kapazität. Alle seine Gides sind ausgebucht. Frühstens 2026.

 

Der letzte Punkt:

Er versteht gar nicht, was wir an dieser Zugfahrt so faszinierend finden. Er sagt, die Zugfahrt habe an Charme verloren. Das Bordrestaurant sei geschlossen, die Toiletten nicht mehr modernisiert. Man müsse die teureren Soft-Sleeper-Tickets buchen, sonst ist es für Europäer kein Komfort. Und wenn man zur falschen Uhrzeit bucht, verpasst man den spektakulären Teil, weil der Zug dann nachts durchfährt.


Und bis Shanghai zu fahren macht nur für hartgesottene Zug-Fan´s Sinn. Die Originale Qinghai-Tibet-Bahn ist Xining - Lhasa (und umgekehrt).

Wenn wir diese Zugfahrt unbedingt machen wollen, dann würde er uns empfehlen, den Teil zwischen Xining und Shanghai mit einem Inland-Flug zurückzulegen.

 

Ich bedanke mich bei Hendrik. Auch wenn er mir gerade meine schöne Vorstellung „vernichtet“ hat, so hat er mir sehr viele Fragen beantwortet. Und dafür bin ich ihm ehrlich dankbar.

Motorrad fahren in Tibet ist für uns soeben „gestorben“.


Ein neuer Plan muss her

Ich ändere meine Suchkriterien: Kleingruppenreisen per 4-Rad.

Auch hierfür gibt es unzählige Anbieter – und ich bin mir sicher, darunter sind wieder viele, bei denen man lieber vorsichtig sein sollte.


Inzwischen stehe ich mit einer vertrauenswürdigen China-Tui-Ansprechpartnerin in Kontakt. Aber leider antwortet sie nicht zeitnah auf meine Fragen. 

TibetVista macht mir ebenfalls einen vertrauenswürdigen Eindruck (ein bisschen Bauchgefühl ist ja auch dabei). Und Ami, meine Ansprechpartnerin dort, antwortet unfassbar schnell. Auf jede Frage kommt prompt eine Antwort.

 

Zugfahrt? Kann sie organisieren. Tibet Travel Permit? Selbstverständlich. Englischprechender tibetischer Guide.

Wunderbar. Deutch wäre mir zwar lieber, aber tibetischer Landsmann klingt symptisch.

ABER: Die Touren auf der Homepage von TibetVista, die ich mir angeschaut habe (max. eine Woche), passen nicht zu unseren Kai-Schulferien-Reisedaten. Weder vorher noch nachher.



Ich gebe auf.

Der Besuch bei Shangkai steht im Vordergrund. Die faszinierende Zugfahrt und Tibet müssen wir ein anderes Mal separat machen.

 

Martin, der sich bisher aus der China-Planung rausgehalten hat, will mein “Aufgeben” nicht wahrhaben. Dass das mit dem Motorrad nichts wird, konnte er inzwischen akzeptieren. Ich zeige ihm die Touren von TibetVista.

Und was macht er?

Er denkt mal wieder out of the box. Das kann er gut.

Ich zermartere drei Monate lang mein Hirn, plane, rechne, recherchiere, telefoniere und schreibe mit Anbietern – und er schaut auf die Touren von TibetVista und sagt nur:

“Da. Guck mal. Kathmandu?”

 

Zuerst bin ich verwundert. Aber dann denke ich: Klaro. Why not.

Wir fliegen nach Kathmandu (Nepal) und machen mit TibetVista eine 8-tägige Überlandreise von Kathmandu nach Lhasa. Von Lhasa aus dann mit dem Zug nach Shanghai – und danach wie geplant weiter.

Passt. Und plötzlich fühlt sich alles wieder möglich an.

 

Bald sind alle Details mit Ami von TibetVista geklärt, und wir buchen die Reise. Parallel dazu buchen wir die Flüge:

·       Frankfurt → Kathmandu

·       Shanghai → Frankfurt


Was für en Ufwand.

Aber jetzt steht es.


Der neue, finale Plan

10.09.2025: Flug ab Frankfurt

11.09.2025: Ankunft in Kathmandu (Nachmittags)

12.09.2025: Einen Tag in Kathmandu

13.09.2025: Beginn Überlandreise ab Kathmandu (TibetVista)

19.09.2025: Ende der Überlandreise in Lhasa (inkl. 2 Tage Klosterbesichtigungen – gehört irgendwie immer dazu, egal bei welchem Anbieter man bucht)

19.09.2025: Zug nach Shanghai

21.09.2025: Ankunft in Shanghai bei Kai. Fünf Tage Shanghai & Umgebung

27.09.2025: Start Sieben Tage Rundreise mit Kai und seiner Familie

04.10.2025: Flug ab Shanghai

05.10.2025: Ankunft Frankfurt


China Vorbereitungen:

Viel Zeit für die Vorfreude bleibt uns nicht mehr. Neben den Alltäglichen Dingen gibt es aber noch viel zu organisieren:

 

Thema eSIM für China: Da wir bisher keinerlei Erfahrung mit eSIMs haben, beschliessen wir, vor der Reise einen Testlauf zu machen. Für den nächsten Familienbesuch in der Schweiz kaufen wir kurzerhand eine passende eSIM. Die rund 14 Euro dafür sehen wir als Investition in wertvolle Erfahrung.

Der Plan ist einfach: ausprobieren, bevor wir irgendwo auf der anderen Seite der Welt feststellen, dass es nicht funktioniert.


Uns ist durchaus bewusst, dass China sein eigenes Internet hat und viele westliche Onlinedienste nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Wie stark wir das im Alltag tatsächlich merken würden, können wir allerdings nur schwer einschätzen.

Es ist ein bisschen wie mit dem Zelten im Bärengebiet. Von Zuhause aus, gemütlich auf der Couch, wirkt das alles irgendwie überschaubar.

Wir wissen zwar, dass in Rumänien die grösste Bärenpopulation Europas (Russland ausgenommen) lebt, aber die Gefahr fühlt sich weit weg an. Erst wenn man tatsächlich im Zelt liegt und jedes Rascheln im Gebüsch hört, bekommt die Sache eine andere Dimension (siehe Reisetagebuch Karpaten, Seite 11b). Genauso verhält es sich für uns mit dem Thema "kein westliches Internet". Theoretisch wissen wir, was das bedeutet. Praktisch können wir uns noch nicht so recht vorstellen, welche Auswirkungen das auf unseren Reisealltag haben wird.


Das Ergebnis unseres eSIM-Tests ist zunächst ernüchternd. Die eSIM will einfach nicht funktionieren. Nach einigem Herumprobieren komme ich zu dem Schluss, dass es genau zwei Möglichkeiten gibt: Entweder die eSIM ist defekt oder ich bin zu doof dafür.

Zum Glück antwortet der Mail-Support erstaunlich schnell und erklärt mir Schritt für Schritt die richtigen Einstellungen.

Die Erkenntnis des Tages: Die eSIM funktioniert. Der Fehler sass – zumindest teilweise – vor dem Smartphone.

Gut zu wissen. Genau für solche Erfahrungen haben wir den Test gemacht.


Nächstes Thema:

Kai empfiehlt uns, WeChat und Alipay aufs Smartphone zu installieren. In China gibt es theoretisch kein Bargeld mehr – nahezu alles wird digital bezahlt.

Wir tun uns damit zunächst schwer. Vor allem Alipay löst bei mir keine Begeisterungsstürme aus. Der Name erinnert mich sofort an AliExpress, diesen Billig-China-Onlineshop, von dem ich absolut nichts halte. Das Gleiche gilt für Temu und ähnliche Plattformen. Vielleicht bin ich manchmal ein bisschen ein Prinzipienreiter, aber ich meide solche Shops bewusst. Aus Prinzip. Entsprechend skeptisch bin ich, als ich mir ausgerechnet so eine App aufs Handy laden soll.


Aber Kai predigt uns bei jeder Gelegenheit, wie wichtig diese Apps sind. Ohne sie wird es in China kompliziert. Bezahlen, Tickets kaufen, Reservierungen vornehmen – vieles, eigentlich fast alles, läuft darüber. Also bleibt uns letztlich nichts anderes übrig, als uns damit auseinanderzusetzen.

Rein aus meinem Vorurteil gegenüber Alipay versuche ich es zunächst mit WeChat. Allerdings bekomme ich die App selbst mit Kais Hilfe nicht freigeschaltet. Keine Ahnung warum, müssen wir uns gemeinsam in Shanghai anschauen. Damit führt nun wohl kein Weg mehr an Alipay vorbei.

Die nächste Hürde lässt nicht lange auf sich warten: Alipay akzeptiert nach erfolgreicher Registrierung und Online-Identifikation meine (und auch Martins) deutsche Kreditkarte nicht. Die App selbst funktioniert zwar, aber ohne Geld darauf ist das nur bedingt hilfreich. Das verfehlt den eigentlichen Zweck dann doch ein wenig.

Kai hat einen pragmatischen Lösungsvorschlag: Wir überweisen ihm 500 Euro auf sein Bankkonto, und er sendet uns im Gegenzug 4.150 RMB auf unser Alipay-Konto. Dasselbe spiel dann noch mit Martin´s IPhone.


Dann das Thema: Kleidung.

Gute Kleidung für die Überlandreise, die by the Way am Mount Everest Basiscamp (EBC) vorbei fährt kaufen. Wir dürfen mit Temperaturen bis -10 °C rechnen. In Shanghai dann mit Temperaturen um die 30°C.


Für die Überlandreise wollen wir uns leichte Hüttenschlafsäcke zutun. Entweder billig kaufen und danach entsorgen – oder welche, die wir auch in Zukunft für Motorradreisen nutzen können.

Wir haben diesbezüglich grosse Ansprüche. Und wir werden fündig. Seide wird das Material unserer Wahl. Also, für die Zukunft gekauft.

 

Dazu kommen Themen wie Höhenkrankheit: Vorsorge, Medikamente, Sonnenschutz.

 

Und dann noch ein Klassiker: Internationale Führerscheine erneuern.

In Shanghai braucht es einen chinesischen Führerschein. Kai meinte, er könne uns ggf. einen besorgen. Dazu benötigt er jedoch unsere gültigen Internationalen Führerscheine. Für den Internationalen Führerschein benötigt man ein biometrisches Passbild und viel Zeit mit der deutschen Führerscheinstelle. 3 Monate dauert so ein Antrag.

 

Immerhin: Deutsch und Schweizer Staatsbürger benötigen aktuell kein Visum für die Einreise nach China. Das Visum für Kathmandu können wir bei Ankunft am Flughafen beantragen.

 

War da noch was?

Ja, gefühlt tausend Dinge, aber die fallen mir grad nicht ein.


Alles organisiert

Ami schickt uns den Reisevertrag zu. Nachdem wir ihn unterschrieben und ihr die Passkopien zugesendet haben, erhalten wir kurz vor Reiseantritt ein Foto unseres Tibet Travel Permits.

YEAH!

Ich freue mich riesig. So sieht also das lang ersehnte Tibet Travel Permit aus. Das kleine Stück Papier, das mich über Wochen beschäftigt hat und ohne das wir niemals nach Tibet einreisen dürften.

Das Originaldokument wird unser Guide, der uns von Kathmandu nach Lhasa begleitet, mitbringen.

Kurz darauf erhalten wir auch Fotos unserer Zugtickets.

Noch einmal grosse Freude.

Und dann kommt die vielleicht beste Nachricht überhaupt: Unser Zug verlässt Lhasa bereits am Vormittag. Das bedeutet, dass wir die spektakuläre Fahrt über die tibetische Hochebene und den Tanggula-Pass bei Tageslicht erleben werden. Genau das war einer der Punkte, die uns bei der Planung so wichtig waren. Mehrmals hatten wir gehört, dass man bei ungünstigen Abfahrtszeiten die schönsten Abschnitte der Strecke schlicht verschläft.




In diesem Moment fühlt es sich an, als hätte sich der ganze Aufwand gelohnt. Die unzähligen Fragezeichen, die geplatzten Pläne und die vielen Stunden Organisation sind plötzlich vergessen.


Jetzt kann nichts mehr schief gehen, oder?

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