top of page

Luftwirbel traveling... Karpaten

Reisetagebuch
Karpaten

Samstag 14.09.2019

 

Писаний Камінь

Mount Pysanyy Kamin

 

Wir haben wunderbar geschlafen.

Draussen regnet es in Strömen. Die Katze, welche seit 7 Jahren hier "Gast" ist, leistet uns beim Frühstück Gesellschaft. Ohne zu betteln, sondern sie ist einfach nur hier bei uns im trockenen.

Ein mehrgängiges Frühstück. Definitiv mehr als satt dürfen wir Oksana kennenlernen, welche von einer „Modeschau“ (gestern) zurück ist.

Oksana designt und schneidert die Kleider selber. Eine Mischung aus Tradition und Moderne.

 

Auf eine ganz natürliche Art und Weise führt Sie uns, und einem anderem Pärchen, gleich Ihre neue Kollektion vor. Es macht richtig Spass Ihr zuzusehen, wie sie mit den Gewändern herumwirbelt. Anfangs war ich mir ein wenig unsicher, ob der Hintergrund dieser Vorführung einem Verkauft dient. Man weiss ja nie. Die Atmosphäre, der Zauber und schwupp, hat man da so ein echt schönes Kleid gekauft, dass man Zuhause aber nicht wirklich tragen kann.
 

Doch glücklicherweise ist dem nicht so. Oksana's Ziel war es nie, uns etwas zu verkaufen. Ganz im Gegenteil. Sie hat einfach eine riesen Freude an Ihren Klamotten und diese Freude teilt sie ohne Hintergedanken mit uns und dem jungen ukrainischen Pärchen, welches ebenfalls ein paar Tage hier verbringt. Luba und Oleksii, kurz Alex leben in der Nähe von Lwiw [Львів], etwa 200 Kilometer nördlich von Werchowyna.

 

Luba hat Bauchschmerzen. Oksana schneidet an einer Aloe Vera Pflanze ein „Stängel“ ab und gibt ihn ihr zum Essen.

Anschliessend macht Oksana mit uns vier einen Rundgang durch Garten und Haus und zeigt die vielen schönen Dinge, die meisten davon selbst gemacht. Dabei erzählt Sie mit einer unglaublichen Begeisterung von Ihren Ideen und deren Umsetzungen. In jeder Ecke erkennt man die Liebe zum Detail. Echt mega schön.

Treppe zu einem der Gästezimmer. 

Auch stellt Sie uns Ihre Ziege vor. Ihr ein und Alles. Die Milch bezeichnet Oksana als "weisses Gold". Wenn Nachbarn für Tiere und Gäste sorgen, so wie Helene gestern, dann dürfen sie die Milch und die Eier selbstverständlich selbst benutzen. Manchmal frage ich mich, wieviele Nachbarn bei uns zuhause auf eine Ziege aufpassen würden, und sich dann über die Milch freuen (selber melken muss man ja auch noch).

Später beim Tee, und einem mega mässig leckeren Imbiss, erzählen wir von unserer verlorenen Isomatte. Vielleicht hat ja jemand eine Idee, wo man hier so was bekommt. Oder was Ähnliches.

 

Alternativ würden wir auch gerne eine dieser schönen, traditionellen Decken kaufen. Darauf lässt sich bestimmt auch wunderbar schlafen, hält die Kälte von unten ab und Zuhause hätten wir ein schönes Andenken an die Huzulen.

 

Wir fragen Oksana doch sie möchte Ihre Decken nicht verkaufen.

Stattdessen bietet Sie an, nachher gemeinsam mit uns auf dem Wochenmarkt vorbeizuschauen. Der ist nämlich zufällig genau heute. Vielleicht finden wir da eine schöne Decke.

Oleksii verrät, dass er „solche Sachen“ (wenn ich mich nicht Irre, sprach er von Kletterausrüstung) jeweils im Gorgany kauft.

 

Er zückt sein Smartphone, tippt ein paar kyrillische Zeichen ein und meint: „Czernowitz, da gibt es auch einen Gorgany-Store. Wenn Ihr nach Rumänien fahrt, kommt ihr da fast vorbei. Ein kleiner Umweg, aber es lohnt sich“.

 

Oleksii streckt mir sein Handy entgegen und zeigt mir die Route und den Standort auf der Karte.

 

Czernowitz [Чернівці] liegt tatsächlich nicht ganz aufm Weg, aber wäre auch kein allzu grosser Umweg. „Die Stadt hat eine sehenswerte Universität und viele Bauten im Jugendstil. Das müsst Ihr euch ansehen. Eine ganz tolle Stadt". Dass morgen Sonntag ist, braucht uns nicht weiter zu stören. Die Geschäfte haben alle offen, das ist ganz normal hier.

 

Oleksii hat eine Flatrate und gibt mir kurzerhand eine Tethering-Verbindung. So kann ich mit meinem Smartphone über sein Mobilfunknetz eine Internetverbindung aufbauen und mir den Standort bei Google Maps speichern. Da mir „meine“ Google-Karte nun auch die Adresse in lateinischen Buchstaben anzeigt, kann ich sogar das Garmin damit füttern. So sind wir für die nächste ukrainische Stadt gewappnet.

 

In solchen Augenblicken ertappe ich mich selbst, wie überrascht ich über die flotte nutzung des Smartphones eines jungen Ukrainers bin. Da sind wir wieder bei den Vorurteilen und dem unterbewussten Denken, dass alle, welche nicht gerade CH oder EU auf Ihrer Stirn kleben haben, technische Hinterwäldler sein müssen.

 

Eigentlich schade, dass wir „so denken“. Dafür umso schöner, festzustellen, dass es eben nicht so ist. Die "Jungen" Menschen hier sind genauso Technik affin wie wir.

 

Und so normal wie wir zuhause unbeschränktes Internet haben, so haben es die Ukrainer in Ihrem Land. 

In der Zwischenzeit hat es aufgehört zu Regnen.

Oksana hat uns, also Martin und mir einen Ausflug mit dem Motorrad zum Писаний Камінь, Mount Pysanyy Kamin empfohlen.

Die Anfahrt theoretisch ganz einfach. Richtung Kossiw [Косів} fahren. Nach der „Passhöhe“ rechts auf einen Schotterweg abbiegen. Dem Schotterweg folgen. Irgendwann kommt man an einem kleinen Parkplatz vorbei. Da fährt man entweder auf der Schotterstraße weiter oder mit dem Motorrad kann man auch via Wanderweg hochfahren. Kurz vor dem Камінь treffen sich die beiden Varianten.

 

Oleksii und Luba waren gestern oben. Sie sind mit dem Auto bis zum Parkplatz und von dort aus gewandert. Oleksii empfiehlt mir die App „outdooractive“, und stellt mir nochmals sein Internet zur Verfügung, so dass ich bei mir auf dem Handy die App herunterzuladen kann. Danach ist die Karte, welche auch Wanderwege anzeigt, offline nutzbar. Ein grosser Vorteil. Tolle App. Auch die PC-Version https://www.outdooractive.com ist sehr empfehlenswert.

bottom of page