




Donnerstag 12.09.2019
Zeit unterwegs von 11:45 bis 16:30 Uhr
Zeit in Fahrt = 3:06 h
Hohe Tatra [SK] → A3 → Snina [SK]
195 Kilometer
Luftwirbel traveling... Karpaten
Reisetagebuch
Karpaten
Bevor wir nun aber losfahren, spurtet Oksana mit uns zum Wochenmarkt. Wir trauen unseren Augen kaum. Hinter einem simplen Hallentor erwartet uns ein riesen Markt. Oksana kennt sich hier aus und zielt direkt ein paar Stände mit Decken an. Sie kennt die Leute, und die Leute kenne sie. Dicht hinter Ihr schlängeln wir uns durch die vielen Menschen und die tausend Dinge, die es hier zu kaufen gibt. Ein buntes Treiben, einfach Sagenhaft.


Wir schauen uns ein paar Decken an und finden auch die eine oder andere, welche uns gefällt.
Doch, fragen wir uns plötzlich. Wie und Wo verstauen wir sie? Wir brauchen einen grossen, Wasserdichten Packsack, falls es regnet, sonst nutzt uns das alles nichts.
Zugegeben: Die Decken sind eigentlich viel zu gross und zu schwer, um sie noch zwei Wochen auf dm Motorrad durch Europa zu fahren. Wir sind am Anfang unserer Reise und haben noch viele Kilometer On – und hoffentlich auch Offroad vor uns.
Immer wie mehr Zweifel steigen auf.
Aber ein mega schönes Andenken wäre es ja schon.
Preislich liegen sie so zwischen 1100 UAH (ca. 40 Euro) und 1600 UAH (ca. 60 Euro). Das scheint ganz ok zu sein, denn mit Oksana an unserer Seite wird uns niemand übers Ohr zu hauen.
Wir müssen zuerst Kassensturz machen und ein bisschen rechnen. Wir haben noch 1269 UAH + 1 Bonbon. Lass uns mal Überlegen, wie viele Hrywnja´s wir überhaupt noch brauchen? Oder ob wir beim EC-Auomaten nochmals wechseln.
Oksana schlägt vor, dass wir jetzt zuerst zum Камінь fahren und uns dabei ein paar Gedanken machen. Der Markt hat bis 17 Uhr "offen“.
Gute Idee.
Jetzt ist 13 Uhr. Fahren wir urtig die paar Kilometer zum Камінь, schauen uns das an und dann zurück auf den Markt. Wenn das nicht ein Plan ist.

Wir satteln nur DI-DR. Ich möchte als Sozia mitfahren und Fotos machen.
Der Pass ist schnell erreicht. Wir biegen von der Passstrasse auf einen sehr groben, lose geschotterten Weg ab. Wären vor uns nicht zwei alte Lada´s, so würde ich selbst an meiner Navigation zweifeln, dass die Piste überhaupt eine "Strasse" ist. Die Lada´s lassen uns den Vortritt. Nach der ersten Kurve wird die Strecke einfach zu fahren. Wunderschöne Gegend. Genuss pur.

Die Strecke hat immer Mal wieder anspruchsvolle, teils steile Stellen mit losem Kies. Martin muss sich ganz schön konzentrieren. Ich bin froh, nur hinten drauf zu sitzen.

Wir passieren den kleinen Parkplatz. Ein Blick zum Wanderweg, der sieht irgendwie auch nicht besser aus. Wir bleiben auf der „Strasse“.

Doch die kiesigen Stellen werden immer wie länger und vorallem steiler. Ich höre sogar mit Filmen/Fotografieren auf, da ich mich mit beiden Händen festhalten möchte.
Das Hinterrad dreht durch, Martin „rettet“ uns auf einen kleinen Absatz. Absteigen und zu Fuss die Lage beurteilen.

Genau so machen wir das. Martin legt sich die „Ideallinie“ zurecht, wir steigen wieder auf und er fährt uns hoch. Na also, geht doch.
Doch die Verschnaufpause ist nicht von langer Dauer. Das Hinterrad dreht erneut durch. Das macht so irgendwie wenig Sinn.
Wir drehen um und fahren bis zum Parklatz zurück. Vom Parkplatz aus marschieren wir los.

Das wandern ist des reisenden´s Lust... In Motorradhose und Cross-Stiefel versteht sich. Denn Wanderschuhe und Jeans haben wir nicht dabei.

Es geht Bergauf. Einfach immer Straight. Gerade hoch.
Die offline nutzbare Outdooraktive-Karte ist echt super. Bei Weggabelungen orientieren wir uns mit ihr.

Irgendwie habe ich das Gefühl, wir machen was Falsch. Warum laufen wir eigentlich? Die meisten Stellen wären mit der DI-DR gut fahrbar gewesen, viel besser als die Kies-strasse aussenrum.
So wandern wir im Offrad-Paradies, während Offroader auf dem Wanderweg Ihren Spass haben.
Und ukrainische Offroader gibt es hier einige. Scheint wohl ganz normal zu sein, dass man auf dem Wanderweg seinen 4x4 ausführt.


Es nimmt und nimmt kein Ende. Immer wenn ich gerade denke, weiter hoch kann´s ja nicht mehr gehen, so macht der Wanderweg eine Kurve und vor uns sticht der nächste Hoger in die Höhe und es geht weiter Bergauf.

Was machen wir hier eigentlich? Wandern können wir doch auch in der Schweiz. Ich wäre viel lieber in Верховина auf dem Wochenmarkt. Gut, wir konnten beide nicht ahnen, dass wir zum Камінь so lange brauchen. Aber wir verpassen soeben einen bunten Bazar, den es so weder in der Schweiz noch in Deutschland gibt. Und warum? Wegen ein paar Steinen.
Камінь, ausgesprochen "Kamin" bedeutet nämlich nichts anderes als Stein.
Und Писаний Камінь = Pisani Stein, ist der Sandstein. Und genau den, also einen riesigen Sandsteinblock wollen wir uns jetzt anschauen.
Hier in den Waldkarpaten sind Steinberge etwas spezielles. Ausser in den weissen Karpaten (Slowakei und Polen) liegt hier alles unterhalb der Waldgrenze und somit sind Felsen, bzw. Steinfelsen eher Rar und für die Menschen heilige Plätze..

