Luftwirbel traveling... to Pyrenees

Reisetagebuch

Camargue - Pyrenäen oriental

Also, zurück ins Verkehrschaos, nach Sant Julià de Lòria, um dort beim Kreisel die Bergstrecke hoch zu fahren.

Als wir endlich den besagten Kreisel erreichen stehen wir vor einer Vollsperrung. Der Polizist hinter der Absperrung leitet den Verkehr um, aber nicht in die Richtung, wo wir fahren wollen.

Es ist so viel los, dass man noch nicht mal in Ruhe am Strassenrand stehen kann um in der Karte, sowie im Navi, nach einem alternativen Weg den Berg hoch zu suchen.


 

Die Stimmung droht zu kippen.

 

Zugegeben, ein bisschen ganz wenig angenervt waren wir ja schon, als wir nach einem Lebensmittelladen suchten, es hier aber nur Uhren, Schmuck und HiFI-krams zu kaufen gibt.

Dazu kommt die mühsame und nervige Fahrerei in diesem Freitag-Feierabend-Rennspektakel-Verkehr, die Hitze unter den Motorradklamotten und mein „Stalldrang“ im Einkaufscenter. Und jetzt ist auch noch diese blöde, jedoch einzige Strasse, den Berg hoch gesperrt.

 

Ich steige ab und laufe zur Polizeisperre. Diese erklärt mir, dass die Strasse wegen der Vuelta a España noch mindestens bis 20 Uhr gesperrt bleibt. Und ja, es gibt auch keine andere Möglichkeit da hoch.

 

Hmmm, das heisst noch 3 Stunden warten. Ne, das wird uns zu spät. Wir werden unseren Plan ändern und irgendwie anderswo übernachten.


 

Kurz spielen wir die Möglichkeiten durch:

Hier wimmelt es von Hotels und Ferienwohnungen, aber das ist nicht das was wir suchen. Und heute sowieso nicht.


6 Kilometer von hier entfernt, direkt hinter der Landesgrenze in Spanien, gäbe es zwei Campingplätze. Tja, unser Zelt liegt aber im Kofferraum des Autos.

 

Ohne Zelt auf einen Campingplatz kann gut gehen, falls es da Hütten gibt, muss aber nicht. Noch viel gewagter hingegen wäre, ohne Ausweise über die Grenze nach Spanien zu fahren. Denn auch unsere Ausweise/Pässe sind im "sicheren" Auto deponiert. Ja, ich weiss - Pässe gehören auf Fahrer – ganz klar unser Versäumnis.


 

Ist wies ist, es bleibt uns nichts anderes übrig, als die 34 Kilometer quer durch Andorra bis zum Skigebiet Ordinio zurück zu fahren und das Zelt, sowie die Papiere einzustecken. Und dann von dort zu schauen.

Ich muss hier nicht erwähnen, wie arg mühsam die Fahrt durch Sant Julià de Lòria, Andorra la Vella und La Massana ist. Fast eine Stunde brauchen wir, bis wir endlich die 14 Serpentinen hochkurven und beim Auto ankommen.

Ein paar Jungs und Mädels haben spass mit einem Quad und crossen neben dem Parkplatz im Gelände rum.


Während Martin versucht den Packsack mit dem Zelt auch noch auf der Ténéré festzubinden, suche ich im Garmin nach Campingplätzen. Der nächste liegt direkt unterhalb des Skigebietes an der Strasse, ca. 30 Minuten von hier entfernt. Dieser machte uns jedoch schon beim ersten, zweiten und dritten Mal vorbeifahren alles andere als einen einladenden Eindruck. Behalten wir den als Notlösung im Hinterkopf.

Nochmals 10 Minuten weiter, im Tal nebenan, gibt es den Càmping Xixerella.

Versuchen wir da unser Glück.


 

Eingeklemmt zwischen Martin und dem Zeltsack nehme ich hinten drauf Platz.

Den linken Arm mit den zwei Baguettes an meine Brust gedrückt, in der rechten den Fotoapparat, um wenigstens noch ein paar Bilder zu machen. Unsere Stimmung hat sich in der Zwischenzeit wieder normalisiert.

 

„Leicht“ überladen fahren wir die 14 Spitzkehren runter. So fährt sich das Motorrad nicht mehr schön. Aber egal, es fährt.

Gegen 19 Uhr erreichen wir die Rezeption.


Eine Nacht für 2 Personen im Zelt.

"Passport please". Mit grossen Augen schauen Martin und ich uns an. Die sind bei all der Hektik erneut im Auto liegen geblieben. Wir versuchen der wirklich netten Dame an der Rezeption unsere Situation zu erklären:

 

... ein Motorrad defekt.... steht auf dem Hänger im Skigebiet Ordinio... Vuelta a España.... Verkehrschaos... Strassensperre... Anfahrt zum Refugio im Süden nicht Möglich... Zelt im Auto... Auto im Norden... Pässe im Auto.

 


Wir haben noch nichts gefuttert und sind fix und foxy. Von hier bis ins Skigebiet sind es 40 Minuten. Plus 40 Minuten zurück.

Wir machen ihr den Vorschlag, dass wir jetzt für 2 Nächte Bar bezahlen und morgen zum Auto fahren und die Ausweise mitbringen.


Sie ist damit einverstanden, erklärt uns aber, dass morgen hier im Norden die Etappe gefahren wird und somit die Zufahrt zum Campingplatz ab Mittags gesperrt sein wird.

 

Wunderbar, wir sind froh, dass wir bleiben dürfen und suchen uns einen Platz auf der leeren Camping-Wiese.

Wenn es ums Nachtlager aufbauen geht, sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team. Die Handgriffe sitzen und….


"Klong"

"Ratsch"

 

… was war das?


 

Die eine Zeltstange ist ausgebrochen und hat ein Schranz in den stoffigen Stangentunnel gerissen.


 

"zensiert"


 

So langsam bekommen wir das Gefühl, Andorra mag uns nicht.

 

Das Gestänge kriegen wir mit einer "Reparaturhülse", welche genau dafür da ist, gebrochene Zeltstangen zu flicken, geflickt. Aber den gerissenen Stoff, wo die Stange eingefädelt wird, und das Zelt unter Spannung hält.... puuhhh, da müssen wir improvisieren.


Panzertape sowie Nadel und Faden liegen, wie könnte es anders sein, im Auto.


 

Arbeitsteilung: Martin repariert die Zeltstange mit den vorhandenen Mitteln und ich organisiere irgendwo was anderes, was für den Stoff nützlich sein könnte. Meine erste Anlaufstelle ist ein kleiner Camping-Laden neben der Rezeption. Ein Alimentari-Shop (Grundversorgung, Lebensmittel).

 

Wie fast schon befürchtet stehe ich vor verschlossener Tür.

Die Dame von der Rezeption schliesst mir den Laden freundlicherweise nochmals auf. Doch viel Hoffnung macht sie mir nicht, dass ich da was passendes finden werde.


Ausser Dosenfutter, Chips, Bier und Heringe bietet der Laden tatsächlich nichts, was mir weiter hilft. Was würde Dieter jetzt daraus improvisieren???

 

Ich bedanke mich und verlassen den Laden mit leeren Händen. Es dämmert bereits.

Als ich bei den Camping-Hüttchen vorbei komme, sehe ich ein Auto mit D-Nummernschild. Durchs Fenster sehe ich, dass die Familie gerade am Essen ist. Soll ich anklopfen? Ja, meine letzte Hoffnung.


Und zum Glück kramt er eine fast leere Rolle Panzertape aus dem Kofferraum.

 

Mit dem letzten Tageslicht zurück zu Martin, welcher in der Zwischenzeit auch nicht untätig war.

 

So gut wie in der Dunkelheit machbar, kleb ich den gerissenen Stofftunnel. Vorsichtig führen wir die reparierte Stange ein und hoffen dass die geklebte Stelle die Spannung aushält.

Das Zelt steht. Es ist 21:30 Uhr, Nacht und die Wiese mittlerweile grusig-feucht. Wir haben keinen Bock mehr zum Kochen. Bei dem Glück, welches wir in Andorra so auf uns ziehen, fackeln wir am Ende noch das Motorrad ab.


 

Vielleicht gibt es ja da vorne im Restaurant noch etwas zu essen.

Auf Katalanisch, Spanisch oder Französisch essen zu bestellen ist gar nicht so einfach.

Wir lassen uns überraschen. Der Gastwirt darf uns zwei unterschiedliche Menüs nach seiner persönlichen Empfehlung zubereiten.


 

Für je 15 Euro bekommen wir ein Menü mit Vorspeise, Hauptspeise, Dessert und einen Liter Wein.

Mega lecker wars.


 

Satt und zufrieden verlassen wir das Restaurant.


 

Ab ins Zelt.