Luftwirbel traveling... to Pyrenees

Reisetagebuch

Camargue - Pyrenäen oriental

Verschiebetag:

 

Sonntag 16.09.2018

Andorra - Spanien

 

276 Kilometer:

Meistens kochen wir zum Frühstück Kaffee und befüllen unsere Thermoskanne. Doch die Kanne ist unauffindbar. Langsam aber sicher dämmert es uns... Andorra hat unsere Thermoskanne gefressen!

 

Vor drei Tagen, als wir in Andorra ankamen und die Rucksäcke für die Nacht in der Hütte packten, tranken wir noch den letzten Rest Kaffee aus der Thermoskanne. Und wahrscheinlich stellten wir sie auf den Hänger, wo sie „vergessen“ wurde. Als wir dann am nächsten Tag losfuhren, ihr erinnert euch; "Kling-Klong-Klong" …. und weg war sie.

Ja, es wird Zeit, dass wir Andorra verlassen. Andorra mag ein sehr Interessantes Land sein, wo es bestimmt noch viel zu entdecken, bzw. zu wundern gibt, doch wir sind mit dem Zwergstaat nicht so wirklich warm geworden.

 

Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass diese Art des Reisens immer nur einen Einblick in eine Momentaufnahme bietet. Ich will hier nicht schreiben, zur falschen Zeit am falschen Ort, denn das wäre nicht Richtig formuliert. Aber wären wir eine Woche früher oder später in Andorra gewesen, vielleicht sogar von einem Dienstag bis Donnerstag, so wäre der Verkehr möglicherweise nur halb so kotzig gewesen. Keine Vuelta a España, nicht ständig und überall Strassensperren und wir hätten dieses Land mit einem ganz anderen Eindruck verlassen. Vielleicht.

Oder wären wir nicht mit dem Hintergrund eines Schädel-Hirn-Trauma dort hin gereist, so hätten wir bestimmt die Offroad-Möglichkeiten ausgekostet und uns gefreut. Vielleicht.

 

Ich bin heute morgen wie immer zur Arbeit gefahren. Dienstag morgen und in Gross-Zimmern ist Müllsammlung der gelben Säcke. In der vergangenen Nacht hat es gestürmt und die leichten Säcke mit Plastikverpackungen gefüllt, flogen durch die Gassen und platzen auf. Ich fahre da durch, wie jeden Morgen, und habe das Gefühl in einem dritt-Welt-Land zu sein. Es sieht scheisse aus und riecht grusig. Wenn ich jetzt als Reisender durch Deutschland fahre und sowas sehe, was denke ich mir wohl über diesen Flecken der Erde? Diese Momentaufnahme bleibt und wenn mich jemand frag, so antworte ich mit „Müllstadt“. Aber nur einen Tag später hätte ich vielleicht geantwortet, dass es dort eine leckere Eisdiele gibt und wir Störche sahen.

 

Eine Momentaufnahme. Nicht mehr und nicht weniger. Doch auf alle Fälle zu wenig Zeit, um über ein Land schlechtes zu erzählen. Wir haben Andorra nun mal während Vuelta a España erlebt, unser Erlebnis mit all seinen positiven oder negativen Eindrücken. Doch ebenso kann nicht verleugnet werden, dass Andorra aus Duty-Free-Shopping-Meilen, Banken und Aktivitätstourismus besteht. Endlose Städte und jede Bergspitze für Bespassung/Konsum bebaut. Das ist nunmal nicht „unsere Welt“, und so hätten wir uns vielleicht auch an einem Dienstag bis Donnerstag Trip nicht wirklich wohl gefühlt. Wir wissen es nicht, sind aber trotzdem Dankbar, dass wir Andorra erleben durften.

 

Ich bin abgeschweift.

Bevor wir Andorra verlassen füllen wir noch den Tank mit Diesel. Der Preis von 1,079 Euro/Liter ist unschlagbar. Bleifrei 95 gibt’s für 1,219 Euro/Liter. Im Tankstellenshop bekommt man übrigens so ziemlich alles, was man braucht. Das nächste Mal suchen wir für unseren kleinen Einkauf kein Super-Center, sondern fahren zur nächsten Tankstelle.

 

Es ist Sonntag-Vormittag und der Wochenend-Einkauftourismus läuft bereits auf Hochtouren. An der Grenze bei der Einreise ist ein richtig langer Stau. Alle wollen zum Shoppen.

 

In unserer Fahrtrichtung nach Spanien ist die Strasse weitgehnd frei. Nachmittags wird es dann aber auch bei der Ausreise zum Mega-Stau kommen. Zollfrei heisst nicht Konrollfrei. Schliesslich ist dies eine EU-Aussengrenze und es gibt Ausfuhrmengen/Richtmengen, welche an der Grenze kontrolliert werden. Zum Beispiel bei Tabakwaren sind 300 Zigaretten, 75 Zigarren oder 400 g Tabak frei. Beim Parfüm dürfens maximal 375 ml Eau de Toilette und 75 ml Parfüm sein. Und die Schleckmäuler müssen sich mit 5 Kg Zucker oder Süsswaren begnügen. Quelle zu diesen Angaben https://www.goruma.de/laender/europa/andorra/reiseinfo

 

Na dann viel Spass im Einkaufswahn.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal abschweifen und aus dem Buch PYRENÄEN von Dirk Schäfer zitieren:

 

[ANDORRA - Das Dach Europas:

 

Eine traumhafte, ländliche Idylle im abgeschiedenen Hochgebirge, eine Art letztes Refugium unversehrten Berglebens. Am beschaulichen Grenzübergang winkt der Zöllner die Bikes fröhlich durch, und bald tauchen romantische Dörfer zwischen wilden Dreitausendern auf. So ähnlich stellen sich viele Besucher Andorra vor. Doch schon am Checkpoint Pas de la Casa macht sich Ernüchterung breit. Autoschlangen vor der Grenze, im Hintergrund eine Ansammlung von Zweckbauten, überquellende Parkplätze. Jetzt heisst es umkehren oder weiterlesen!

 

Die schlechte Nachricht vorweg: Andorra ist entlang der Hauptstrecke von Frankreich nach Spanien ein Einkaufsparadies und besteht aus einer Aneinanderreihung von Billig-Tankstellen, Duty-Free-Shops und Supermärkten. Die Zollfreiheit macht es Möglich. Böse Zungen behaupten sogar, man könne im ganzen Staat vor lauter Unterhaltungselektronik keine Lebensmittel kaufen] ….. [Jetzt die gute Nachricht: Andorra ist phantastisch! Abseits der Hauptroute. Und selbst die hat ihren Reiz. Beherzigt man zwei goldene Regeln, wird der Abstecher in das Miniland zum ungetrübten Erlebnis.

 

NIE AM WOCHENENDE

 

Regel Nummer eins: Nie am Freitag oder am Wochenende hinfahren. Regel Nummer zwei: Nach Möglichkeit im August, wenn Spanier und Franzosen Urlaub haben, auf den Ausflug verzichten. In jedem Fall aber: Das Wochenende meiden.]

 

Zitat PYRENÄEN von Dirk Schäfer

Wir haben es geschafft und sind in Spanien.

Was sofort auffällt: Hier gibt es wieder normale Häuser und schöne kleine, ländliche Dörfchen am Wegesrand. Kleine Strassenverkaufsstände mit Äpfel und vor allem gibt es hier wieder normale Kreisel.

 

27°C und Sonnenschein. Einfach Herrlich.

12 Kilometer hinter der Grenze entdecken wir den Flughafen Andorra und somit wundern wir uns tatsächlich noch ein letztes Mal über das kleine Land.

Wie so oft führen mehrere Wege nach Rom, so auch nach Ligüerre de Cinca, unserem Ziel. Mit dem Motorrad wären wir auf alle Fälle die Nationalstrasse durch das Pyrenäenvorland  gefahren (235 KM, 3:45h). Mit den Motorrädern auf dem Anhänger jedoch bevorzugen wir die Fahrt durchs „Flachland“ via Autobahn (250 KM, 3:10h).

 

In Spanien gibt es gebührenpflichtige und gebührenfreie Autobahnen. 

Autovías sind kostenlos. Die mautpflichtigen Autopistas sind gemäss Wikipedia besser ausgebaut. Sie haben größere Kurvenradien, aufwändiger gestaltete Ein- und Ausfahrten und geringere Steigungen.

 

Auf der C-14, einer Art Schnellstrasse, verlassen wir die Pyrenäen Richtung Süden.

Eine breite, echt gut ausgebaute Strasse mit sehr wenig Verkehr und wunderschönen Landschaften. So fährt es sich zwischen 90 und 100 Km/h komplett stressfrei.

Nach knapp 140 Kilometer biegen wir auf die Autovía A-2, welche die Stadt Lleida umfährt.

 

Danach geht es auf der A-22 (Autovía) wieder nordwärts.

An diesen Strassen gibt es nun wirklich nichts zu meckern.