Luftwirbel traveling... to Pyrenees

Reisetagebuch

Camargue - Pyrenäen oriental

Bei Barbastro verlassen wir die Autobahn und die N123 führt uns zurück in die Pyrenäen. Wenn auch nur ins hügelige Pyrenäenvorland.

 

Wir erspähen die gewaltige Staumauer von El Grado.

 

Der Fluss Río Cinca ist mit 170 km der längste Nebenfluss des Segre. Er entspringt im spanischen Pyrenäengebiet nahe der französischen Grenze und fliesst südwärts.

Nach Passieren der Kleinstadt Aínsa weitet sich der Fluss zum Stausee Embalse de Mediano (ca. 10 km lang und ca. 2 km breit). Nur wenige Kilometer flussabwärts wird der Cinca erneut gestaut. Die Talsperre Embalse de El Grado ist etwa 15 km lang und dient dem Hochwasserschutz und der Trinkwassergewinnung.

Unser Ziel, der Campingplatz in Ligüerre de Cinca befindet sich im Canyon direkt zwischen den beiden Stauseen.  

Der Ort liegt auf 450müM. Es ist mit 31°C drückend heiss. Kein Windchen weht, es ist einfach nur schwül und fühlt sich unangenehm an.

 

Ligüerre de Cinca ist nicht einfach ein Dorf mit Campingplatz, so wie wir das irgendwie erwartet haben. Das alte Dörfchen wurde zu einem Feriendorf, Resort mit Ferienhäuschen und Bungalow umfunktioniert.

 

Zu Fuss schauen wir uns um. Es wirkt wie ausgestorben. Nur ab und an begegnen wir einer im Anzug gekleideten Person, sieht nach einem Mitarbeiter aus.

Vielleicht irren wir uns auch, aber irgendwie sieht das mehr nach einem Feriendorf der gehobenen Klasse.

 

Die Rezeption hat (zum Glück) noch mehr als eine Stunde geschlossen. Was soll´s, setzten wir und halt ins Restaurant und geniessen ein kühles Bier. Beim Betreten der gut besuchten und festlich-dekorierten Gartenwirtschaft bleiben wir jedoch stehen und schauen uns gegenseitig an. Ne, das ist nicht unsere Welt. Hier fühlen wir uns nicht wohl. Ich „gestehe“ Martin, dass ich mich schon seit wir hier aus dem Auto gestiegen sind, irgendwie nicht wohl fühle. Erst war es nur diese windstille, drückende Hitze und das schwüle Klima. Jetzt kommt noch das Ambiente dazu, welches irgendwie für uns nicht stimmt. Es mag ein ganz hübsch hergerichtetes Feriendorf sein, und auch die Campingwiese sieht sehr Nobel aus. Der Gedanke an ein kühles Getränk ist verlockend und doch hält uns irgendwas davon ab, uns an einen Tisch zu setzten und den Durst zu löschen.

 

So verlassen wir das Restaurant uns setzten uns draussen in den Schatten. Was für Alternativen gibt es denn hier? 30 Kilometer entfernt mitten im Parque natural de la Sierra y los Cañones de Guara gibt es den Camping Lecina. Naturpark klingt doch gut, doch was, wenn da keiner da ist? 40 Minuten brauchen wir laut Navi. Die Strasse endet in einer Sackgasse, was würde bedeuten, wieder 40 Minuten zurück. Aber die Plätze im „Flachland“ sind für uns nicht interessant und ansonsten gibt es hier nicht viele Möglichkeiten, welche näher liegen.

 

Egal, wir fahren in den Nationalpark Sierra de Guara.

Unsere Entscheidung bereuen wir nicht. Schon nach wenigen Kilometer führt uns die Strasse durch ein Dörfchen, so ein richtiges ursprüngliches, ohne Schikimiki.

 

Das Strässchen ist zum Motorrad-Endurowandern wie gemacht. Für einen Kombi mit Anhänger teilweise aber recht anspruchsvoll.

Martin lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn ich ab und zu an der Breite des Asphalts zweifle.

Die A2205 führt uns schlussendlich in den Nationalpark. Nur noch 5 Kilometer und dann biegen wir von der Hauptstrasse ab, um kurz danach, völlig im abseits, in die kleine Einfahrt des Camping Lecina einzubiegen.

 

Die Barriere ist zu. Das Restaurant mit einer Gruppe von Menschen gefüllt. Interessiert gucken die Leute und begrüssen uns auf Deutsch. Ja, da staunen wir nicht schlecht. Es sind ausgewanderte Belgier, die sich heute hier zum Geburtstag feiern getroffen haben. Der Campingplatz ist eigentlich noch geschlossen, aber wir hätten Glück, denn wegen der Geburtstagsfeier ist überhaupt jemand da.

 

Die Schranke dürfen wir von Hand öffnen und reinfahren. Es ist aber noch nichts für die Saison vorbereitet oder sauber gemacht. Ein Campingplatz ganz für uns alleine. Super. Wir sind auf 670 müM, es ist noch immer 29°C, aber ein angenehmer Wind raschelt durch die Bäume und verwirbelt das Laub am Boden. Hier ist es super.

16:00 Uhr: Martin stellt vorsichtig unser beschädigtes Zelt auf und ich richte ein kleines, verspätetes Mittagessen aus Baguette und Käse her.

Gestärkt packen wir unser Kartenmateral und setzten uns ins Restaurant. Die Belgier sind ganz aus dem Häuschen und das Geburtstagskind ist nur noch halb so wichtig. Die eine Frau lädt uns sogar ein, die Tage mal bei Ihren Haus, nur 7 KM von hier, vorbeizukommen. Eine Adresse oder Hausnummer hat sie nicht, wir würden es schon erkennen. Es heisst Casa Cabron und ist weiss gestrichen mit roten Rändern. Es braucht aber 4x4 , und schon stimmt der Mann mit ein, dass die Piste mit unseren Motorrädern kein Problem sei.

 

Es ist ein schönes Gefühl, hier am „gefühlten Ende der Welt“, auf so eine aufgestellte Truppe zu stossen.

 

Wir würden ja auch ein Kaffee bestellen, doch die Serviertochter lässt sich nicht blicken.

Die Belgier verabschieden sich und wir planen unsere Route für morgen. Eine schöne Runde von ca. 210 KM (4 Stunden) um und im Nationalpark Sierra de Guara wird es geben. Übermorgen können wir ja dann auf die andere, östliche Seite Richtung der Talsperren fahren.

 

Irgendwann bekommen wir dann doch noch ein Kaffee (und kaufen eine Flasche Wein für später). Für Morgen Abend fragen wir an, ob wir im Restaurant essen können.

Yup, das klappt. Sehr schön. :-)

 

Andorra vermissen wir überhaupt nicht.

Martin findet endlich ein bisschen Zeit und Ruhe um sich die elektronische Verkabelung der DR anzusehen. Et voilà, er findet einen Gammelstecker am Laderegler. Zum Reparieren fehlt uns zwar das Werkzeug, aber das ist nur halb so wild. Viel wichtiger ist das Wissen, woran es mit grosser Wahrscheinlichkeit liegt, dass DI-DR nicht mehr lädt. Das Problem im Kopf abhacken. Ich sitze nur da und schaue ihm zu und schreibe etwas Tagebuch.

Heute kochen wir zur Abwechseln mal noch bei Tageslicht.

Die Flasche Wein wird leer und ein gemütlicher Abend geht zu ende. Wir legen uns ins Zelt.

 

Die Bungalow-Stadt zu verlassen und in den Naturpark Sierra de Guara zu fahren war die beste Entscheidung, welche wir getroffen haben.

 

So ein von Schuss ab und verlassener Ort fühlt sich für uns schon fast wieder wie „normaler“ Entdecker-Urlaub an.