Luftwirbel traveling... offroad   

Stäuben im Piemont_2016

Gerölllawine: Assietta Kammstrasse

Oha..es hat über Nacht bis weit runter geschneit. Immerhin, heute ist halbwegs schönes Wetter. Die Sonne lässt die weissen Bergspitzen zwischen den Wolkenfeldern prachtvoll leuchten. Dafür ist es echt Kalt geworden. Die dicken Winterhandschuhe kommen zum Einsatz.

Wir befinden uns in Cesana Torinese bereits auf 1354 müM. Wir schätzen die Schneefallgrenze so auf 2000 - 2500müM. Der höchste Punkt der Assietta Kammstrasse, die „Testa dell Asietta“ mit 2565müM…. Wir wollen es versuchen….Umkehren, falls doch Schnee liegt, können wir jederzeit.

 

Auf Asphalt fahren wir nach Susa, um uns dort mehr als 20 enge Spitzkehren zum Colle delle Finestre hochzuschrauben.

Mein Manövertraining hat sich gelohnt, ich komme im Gegensatz zum letzten Jahr echt gut um die Kurven….  :-).

Der Asphalt geht in Naturstrasse über… Ein Lächeln auf dem Gesicht... Freude herrscht. Zum Staub machen ist der Untergrund etwas zu „Nass“. Kurve um Kurve kommen wir der Passhöhe Colle delle Finestre (2'178m ) näher. Es macht Spass.

 

Für dass, das Sonntag ist, ist heute echt nichts los. Die „Motorradsaison“ neigt sich dem Ende zu, und noch nicht mal die Einheimischen wollen bei diesen „winterlichen“ Temperaturen crossen. Lediglich eine Gruppe Fahrradfahrer aus der Schweiz treffen wir an.

Assietta Kammstrasse: Wir wechseln die Motorräder.

Nach nur knapp 10 KM versperrt uns eine Gerölllawine die Weiterfahrt.

Kurzerhand drehen wir um. Planänderung - Nächster Halt: Der obere Teil des gewaltigen Bauwerks Forte di Fenestrelle.

Die Naturstrasse zur Festung ist nicht schwierig. Der Anblick dafür umso imposanter.

Die Befestigungsanlage zieht sich vom Talboden 3 KM den Südhang des Valle del Chisone hinauf. Höhenunterschied 600m.

Kleiner Brunch; Brot mit italienischen Salami, Lecker.

Auf Asphalt fahren wir die 30 Km nach Sestriere zurück, wo wir uns ein Espresso gönnen. Asphalt, Überland, 70 km/h…dafür ist die Beta definitiv nicht gemacht. Die hohe Drehzahl des 2-Tackters kribbelt im Füdli … Die Sitzbank…argh, da gibt’s auch bequemeres.

 

Die Vögel im Kaffee geniessen die Mittagssonne. „Wie nach Cesana zurück“, fragt Dieter. Doch eigentlich kennt er meine Antwort schon: Via Lago Nero.

Tanken und weiter nach Bousson. Da ich heute doch mehrheitlich mit der Beta fuhr, tauschen wir zurück. Ich flitze mit der Ténéré zum Lago Nero hoch. Dieter mit der Betti hinterher. Etwas Wehmütig und respektvoll blicke ich zu den Zickzackkurven etwas oberhalb, nordwestlich vom Lago. Hier scheiterte ich letztes Jahr. Damals fuhren von der anderen Seite her hoch zum Colle bercia, und da, da bei diesen steilen und grob geschotterten Spitzkehren war die Grenzen meines „Könnens“ längst überschritten. Dieter erinnert sich an damals, die Angst in meinen weit aufgerissenen Augen. Nicht in meinen wildesten Träumen käme es mir in den Sinn, da hoch, geschweige denn nochmals runter fahren zu wollen.

 

Dieter folgt meiner Blickrichtung. „Da hoch?“. Ich fühle mich fit und voller Tatendrang, aber irgendwie traue ich es mir nicht zu.

„Magst es mit Betti probieren?“.

Soll ich wirklich? Ich habe echt Riesen grossen Respekt, meiner letztjährigen Angstblockade zu begegnen.

„Ja“!

Wir tauschen die Motorräder. Ein, zweimal einatmen, den Zweitaktmotor starten langsam dem Hang entgegen fahren. Dieter auf der Ténéré direkt hinter mir, so dass er jederzeit zur Hilfe eilen kann.

„Betti und ich schaffen das, Ganz nach vorne rutschen, Tankschluss, Blickführung“, so kämpfen wir uns im ersten Gang Kurve um Kurve hoch. Loser Schotter, Sau-Enge und Steile Kurven. Eine nach der anderen. Der Schotter wird Gröber…..voll konzentriert… Geschafft :-) YEAH…. Geschafft.

Dieter kommt mit der Ténéré super zurecht und freut sich über meine Leistung mit Bettinchen. Es ist ein unglaublichen Gefühl, hier oben zu stehen. Die Beta Xtrainer ist nicht nur ein extremes Spassmobil, sondern, wie der Name schon verrät, eine super Trainingsmaschine.